Klinik für Allgemeine Orthopädie und Tumororthopädie

Deformitäten der Wirbelsäule


 

Unter Deformitäten versteht man alle Formabweichungen der Wirbelsäule vom „Normalbefund“. Häufig handelt es sich um sog. Skoliosen oder Kyphosen, die verschiedenste Ursachen haben können.

In unserer Klinik stehen sämtliche operative Therapieverfahren zur Verfügung:

  • 3-dimensionale Korrektur-Operation bei Skoliosen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen über hintere oder/und seitliche Zugänge 

Das Prinzip der meisten operativen Verfahren bei der Therapie von Wirbelsäulendeformitäten beruht auf der Korrektur der Krümmungen und anschließenden Fixierung der begradigten Wirbelsäulenabschnitte. Hierfür kommen in unserer Abteilung die modernsten auf dem Markt erhältlichen Implantate zum Einsatz. Grob orientierend kann man die möglichen Operationen einer Deformität nach ihrem Zugangsweg zur Wirbelsäule in dorsale Korrekturoperationen (hier erfolgt die Schnittführung entlang des Rückens „von hinten“ und die Wirbelsäule wird von hinten erreicht) und in ventrale Korrekturoperationen (hier erfolgt der Zugang zur Wirbelsäule über den seitlichen Brustkorb oder die seitliche Flanke) unterscheiden.

  • Aufrichtungsoperationen bei M. Scheuermann, M. Bechterew und anderen Kyphosen („Rundrückenbildungen“)

Abhängig vom Alter, von der zugrundeliegenden Erkrankung und vom Ausmaß der Kyphose stehen verschiedenste Korrekturmöglichkeiten eines Rundrückens zur Verfügung. In der Regel erfolgt eine korrigierende Instrumentation des betroffenen Abschnittes mit einem Schrauben-Stab-System, ggf. kombiniert mit sog. v-förmigen Osteotomien oder auch mit sog. Pedikelsubtraktions-Osteotomien.


  • „nicht-versteifende“, „mitwachsende“ Implantatsysteme (VEPTR, Growing Rod)

Junge Patienten, bei denen noch keine endgültige „versteifende“ Operation durchgeführt werden soll, da noch ein relevantes Restwachstum erwartet wird, können u.U. mit einem „nicht-versteifenden“, „mitwachsenden“ Implantat versorgt werden. So können lange Wachstumsphasen überbrückt werden, bis schlussendlich eine endgültige Deformitäten-OP durchgeführt werden kann.

  • Intraoperatives elektrophysiologisches Neuromonitoring

Zur Optimierung der Sicherheit unserer Patienten findet regelhaft bei Deformitäten-Operationen das sog. intraoperative elektrophysiologische Monitoring Anwendung. In Ausnahmefällen findet auch der sog. Aufwachtest Anwendung, bei dem die Patienten zur Kontrolle der Rückenmarksfunktion kurz während der Operation erweckt werden, um gezielte Beinbewegungen durchzuführen. Dabei sind die Patienten permanent vollständig schmerzfrei und können sich nach der Operation auch nicht an diesen Test erinnern.

 

Welches Verfahren beim individuellen Patienten zum Einsatz kommt, wird für jeden Patienten in ausführlichen Vorgesprächen und Untersuchungen festgelegt, wobei radiologische Bildgebung, Typ der Deformität, Patientenalter und andere Faktoren Berücksichtigung finden.

  • Korsetttherapie

Sollte die Notwendigkeit einer Korsett-Therapie bestehen, besteht die Möglichkeit einer direkten Versorgung  in unserer hochspezialisierten orthopädischen Werkstatt (link) mit einem maßgefertigten Korsett nach Gipsabdruck. Dabei haben wir das Glück, auf eine viele Jahrzehnte lange Tradition und Erfahrung auf diesem Gebiet zurückgreifen zu können. Die notwendige Erstellung eines Kostenvoranschlags für ein Korsett sowie die Kommunikation mit den Krankenkassen übernimmt unsere Werkstatt für Sie.

Nach Fertigstellung wird das Korsett in aller Regel etwa 23 h täglich getragen. Ausnahmen finden sich nur während der notwendigen täglichen Körperhygiene (Duschen, Baden) und sportlichen Aktivitäten, die hierdurch nicht eingeschränkt werden.

Regelhaft erfolgt dann bei Kindern und Jugendlichen eine etwa halbjährliche Vorstellung in unserer Spezialsprechstunde. Hier wird der Sitz des Korsetts überprüft und durch regelmäßige Kontrollen durch 3D-Vermessung des Körpers mittels Rasterstereographie und gelegentliche Röntgenkontrollen ein guter Therapieverlauf überprüft.

 
 
 
 
 
 
 
Künstlerin: Julia Buchner