Pressemeldungen Archiv 2017

06.02.17ukm/aw

Diagnose Spina bifida: Wunschkind Melissa ist ein Geschenk des Himmels

Der „offene Rücken“ (Spina bifida aperta) wird im Mutterleib oder kurz nach der Geburt operiert / Interdisziplinäre fetale Therapie in Kooperation mit belgischem Experten Prof. Jan Deprest

Melissa Wassiljew auf dem Arm ihrer Mutter Lydia.

Prof. Dr. Walter Klockenbusch und Priv.-Doz. Dr. Ralf Schmitz konnten ihren belgischen Kollegen Prof. Jan Deprest (Bildmitte) von der Universität Leuven auf dem 16. Münsteraner Perinatalsymposium (04.02. 2017) begrüßen.

Melissa ist gerade einmal sechs Wochen jung und wirkt wie ein äußerst zufriedenes Baby. Nur eine „Sonde“ am Kopf verrät, dass der Säugling bei der Geburt nicht ganz gesund war: Melissa wurde mit einem Neuralrohrdefekt geboren, einem sogenannten „offenen Rücken“ (Spina bifida aperta). Eine Diagnose, die noch vor wenigen Jahren fast immer dazu geführt hat, dass sich Eltern zu einer Abtreibung entschieden. „Wir haben den Defekt schon im Ultraschall erkannt und überlegt, ob wir möglicherweise bereits im Mutterleib einen Eingriff vornehmen sollen. Letztlich haben wir uns mit den Eltern aber dafür entschieden, die offene Stelle an der Wirbelsäule am Tag nach der Geburt zu operieren“, sagen Priv.-Doz. Dr. Ralf Schmitz, Leiter der Pränatalmedizin und Dr. Angela Brentrup, Leiterin der Pädiatrischen Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster).

Bei einem von tausend Kindern lautet die vorgeburtliche Diagnose „Spina bifida“. Betroffene Eltern bekommen bei uns eine engmaschige psychosoziale Beratung, so dass sie sich vollen Herzens für das Kind entscheiden können“, so Schmitz und seine Kollegin Brentrup ergänzt: „Die Aussichten, dass sie ein Kind mit Einschränkungen bekommen, macht vielen Eltern Angst. Gerade die Nervenbahnen der unteren Körperhälfte können dauerhaft betroffen sein – es ist möglich, dass ein Kind nie laufen wird oder inkontinent bleibt. Der sogenannte Shunt am Kopf, den auch Melissa zum Ableiten des Hirnwassers braucht, bleibt meist ein Leben lang.“ Die Neurochirurgin ist deutschlandweit führend bei den postnatalen Operationen von Neuralrohrdefekten.

Die Spezialisten des UKM bieten in Ergänzung aber auch die fetale Therapie an. Ein interdisziplinäres Team berät die Eltern auch in der Frage, wann operiert wird – also vor oder nach der Geburt. „Bei vorgeburtlichen Operationen begleiten wir die Schwangere von Münster aus in die Universitätsklinik nach Leuven in Belgien“, fügt Brentrup hinzu. „Dort sitzt mit Prof. Jan Deprest das Expertenteam schlechthin für offene Fetalchirurgie. Es macht Sinn, einen so seltenen Defekt in Zentren operieren zu lassen, die sich alleine schon wegen der höheren Fallzahl auf diese Behandlung spezialisiert haben.“ Die Geburt und die neurochirurgische Betreuung übernehmen als überregionaler Versorger dann wieder die Spezialisten vom UKM.

Anfang Februar war Deprest zu Gast in Münster und berichtete auf einer Ärzteveranstaltung von seiner Arbeit. Vor rund 150 Ärzten des 16. Münsteraner Perinatalsymposiums erläuterte er seine Therapieansätze, von denen Säuglinge mit Neuralrohrdefekten europaweit profitieren. „Wir sind glücklich, dass wir einen weltweit anerkannten Experten für eine Kooperation und die diesjährige Veranstaltung gewinnen konnten“, freut sich Prof. Walter Klockenbusch, Leiter der UKM-Geburtshilfe.

Der kleinen Melissa ist das alles vollkommen egal: Sie wird zuhause von ihren sieben älteren Geschwistern schon sehnsüchtig erwartet. „Egal was kommt: Melissa ist ein Geschenk des Himmels. Wir nehmen die Kleine so an, wie sie ist“, sagt ihre Mutter Lydia Wassiljew. Ihr entschlossenes aber zuversichtliches Gesicht lässt nicht eine Sekunde Zweifel aufkommen: Melissa ist der besondere Teil einer großen Familie.

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