13.11.09ukm/dre

Weltdiabetestag am UKM: „Prävention muss weiter ausgebaut werden“

Zahl der übergewichtigen Kinder mit Typ-2-Diabetes steigt / „Screening könnte Anzahl der Folgeerkrankungen reduzieren“

Weltdiabetestag am UKM

Diabetologe Dr. Reinhold Gellner (UKM), Marianne Stübbe (Diabetes-Beraterin UKM), Patient Gerhard Wiegand, Susanne Steffens (Deutscher Diabetiker Bund), Dr. Elke Fischer (niedergelassene Diabetologin) und Prof. Dr. Walter Klockenbusch (Leiter UKM-Geburtshilfe und Zentrum für Schwangerschaftsdiabetes) beim Weltdiabetestag im UKM.

Anlässlich des Weltdiabetestages am 14. November warnen Diabetesexperten vor einem weiteren starken Anstieg der Erkrankungen: „In Deutschland sind rund acht Millionen Menschen betroffen. Bei der Gruppe der 20 bis 79-jährigen Bevölkerung liegt die Zahl der erkrankten Menschen inzwischen bei zwölf Prozent. Und gerade die Folgeerkrankungen führen neben dem individuellen Leiden auch zu einer starken ökonomischen Belastung des Gesundheitssystems. Daher muss die Prävention deutlich verstärkt werden“, erklärt Dr. Reinhold Gellner, Diabetologe und Endokrinologe an der Medizinischen Klinik B am Universitätsklinikum Münster (UKM).

Als einen der häufigsten Gründe für den Typ-2-Diabetes nennt der Diabetesexperte und Oberarzt in der UKM-Diabetes-Ambulanz Übergewicht und damit oft einhergehenden Bewegungsmangel. Besorgniserregend ist laut Gellner auch der Anstieg der Fälle von Typ-2-Diabetes bei übergewichtigen Kindern und Jugendlichen: „Hier muss man deutschlandweit von aktuell rund 5.000 Fällen ausgehen. Oft sind es hierbei Kinder und Jugendliche, deren Eltern oder Großeltern ebenfalls an Typ-2-Diabetes leiden. Auch daher ist der oft verwendete Begriff Altersdiabetes nicht mehr zutreffend.“

Zu den häufigsten und schwerwiegenden Folgeerkrankungen zählen Herz- Kreislauferkrankungen bis hin zum Herzinfarkt, Schlaganfall oder etwa das diabetische Fußsyndrom mit Konsequenzen bis hin zur Amputation. Auch daher arbeitet die Diabetes-Ambulanz des UKM mit weiteren Klinikbereichen wie z.B. der Technischen Orthopädie, der Kardiologie, der Neurologie und der Gefäßchirurgie eng zusammen.

Zu einer Reduzierung dieser Diabetes-bedingten Folgerkrankungen könne etwa auch ein Screening von speziell definierten Risikopatienten beitragen, so Gellner. Dr. Elke Fischer, niedergelassene Diabetologin, betont: „Wenn spezielle Risikofaktoren, wie Übergewicht, Bewegungsmangel, familiäre Vorbelastungen oder entsprechende Blutwerte vorliegen, könne bei diesen Patienten nach einem Screening frühzeitig mit der entsprechenden Therapie begonnen werden.“ Dr. Gellner: „In den Industrienationen muss in den kommenden Jahren mit einem unveränderten Anstieg der Diabetes-Patienten gerechnet werden. Und das wird zu steigenden Gesundheitskosten führen, eine rechtzeitige optimale Behandlung könnte dazu beitragen, diese Kosten einzudämmen, ein ähnliches Prinzip wie beim bereits bestehenden Hautkrebs-Screening.“

Auf eine andere Risikogruppe weist Prof. Dr. Walter Klockenbusch hin: „Rund fünf Prozent aller Schwangeren entwickeln in den Industrieländern einen Schwangerschaftsdiabetes. Kinder, deren Mütter daran erkrankten, können gleich nach der Geburt Anpassungsstörungen wie Blutzuckerabfall, Atemstörungen oder Krampfneigungen haben. Im Extremfall kann es auch zum Verlust des Kindes in der Schwangerschaft führen“, so der Leiter der Geburtshilfe am UKM. Daher wurde am UKM im vergangenen Jahr das „Westfälische Diabeteszentrum für Schwangere“ gegründet. Das Ziel: Die umfassende Betreuung von Schwangeren mit Diabetes unter einem Dach.

Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Versorgungsangebot der UKM-Frauenklinik (Bereich Geburtshilfe) und der Medizinischen Klinik B (Bereich Beratungs- und Behandlungszentrum für Diabetologie, Endokrinologie und Ernährungsmedizin) in enger Kooperation mit der Kinderklinik am UKM. „Durch eine rechtzeitige Insulineinstellung der Schwangeren kann enorm viel erreicht werden“, so Klockenbusch, der auch auf die Spätfolgen hinweist: „Die Folgen eines Schwangerschaftsdiabetes der Mutter prägen die Gesundheit des Kindes noch bis in das Erwachsenenalter hinein. Im späteren Lebensalter haben diese Kinder vermehrt Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Übergewicht, wenn in der Schwangerschaft nicht konsequent behandelt wird. Doch noch immer liegt die Entdeckungsrate dieser Stoffwechselkrankheit in Deutschland bei maximal 20 Prozent.“

Für alle betroffenen Patienten gebe es jedoch Möglichkeiten, selbst etwas für die eigene Gesundheit zu tun: An erster Stelle stehen dabei eine gesunde Ernährung und Bewegung. Daher stand auch das Thema „Prävention“ am Freitag, 13. November, besonders im Mittelpunkt des großen Aktionstages am UKM. Fast die komplette Ebene 04 des Zentralklinikums an der Albert-Schweitzer-Straße war mit Informationsflächen und Mitmachangeboten belegt. Alle Besucher konnten sich an mehreren Stationen verschiedener Fachdisziplinen oder beim Stand des Deutschen Diabetiker Bundes kostenlos beraten lassen. Auch praktische Hinweise zum Leben mit Diabetes wurden beim Aktionstag geboten. Die Diabetes-Ambulanz des UKM präsentierte sich mit einem „Tag der offenen Tür“. Mediziner, Diabetesexperten und weitere Fachdisziplinen informierten verständlich und anschaulich rund um die Erkrankung.

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