28.07.10ukm/dre

Medizin-Premiere im UKM: Lungenlappen erstmals mit Schlüsselloch-Chirurgie entfernt

Lungenkrebspatienten sind nach Eingriff schneller wieder mobil / Öffnung des Brustkorbes kann vermieden werden

UKM-Thoraxchirurg Privatdozent Dr. Karsten Wiebe (rechts), Prof. Dr. Rainer Wiewrodt (Leiter des Bereichs Pneumologie am UKM, l.) mit den ersten Patienten, bei denen das neue minimal-invasive Verfahren angewandt wurde: Raimund Niesig (mitte, 73 Jahre) und Wolfgang Schmidt (liegend, 62 Jahre).

UKM-Thoraxchirurg Privatdozent Dr. Karsten Wiebe (rechts), Prof. Dr. Rainer Wiewrodt (Leiter des Bereichs Pneumologie am UKM, l.) mit den ersten Patienten, bei denen das neue minimal-invasive Verfahren angewandt wurde: Raimund Niesig (mitte, 73 Jahre) und Wolfgang Schmidt (liegend, 62 Jahre).

Medizin-Premiere im Universitätsklinikum Münster (UKM): Erstmals im Münsterland konnten im UKM nun bei Lungenkrebspatienten betroffene Lungenlappen durch den Einsatz minimal-invasiver Schlüsselloch-Chirurgie (im Fachbegriff: Thorakoskopie) entfernt werden. Die komplette Öffnung des Brustkorbs kann so vermieden werden. Durchgeführt wurden die ersten Eingriffe dieser Art im Juli von UKM-Thoraxchirurg Privatdozent Dr. Karsten Wiebe. Für die betroffenen Patienten ist die neue Methode deutlich schonender und die Dauer des Krankenhausaufenthaltes kann stark reduziert werden.

„Dabei sind nur drei jeweils ca. ein Zentimeter lange Schnitte und ein ca. vier Zentimeter großer Schnitt nötig. Durch die kleinen Schnitte werden die Instrumente und die Kamera in den Brustkorb geführt, durch den längeren Schritt dann der betroffene Lungenlappen entfernt“, erklärt der Thoraxchirurg. Eine großflächige Öffnung des Brustkorbs mit einem ca. zwölf Zentimeter langen Schnitt und der belastende Einsatz von Rippenspreizern kann so vermieden werden. Wiebe: „Die postoperativen Schmerzen sind viel geringer, die Patienten können ohne Probleme tief Luftholen und sind schneller wieder mobil.“

Lungenkrebs („Bronchialkarzinom“) gehört mit dem Brustkrebs und dem Prostatakrebs zu den häufigsten Tumorerkrankungen in den westlichen Industrienationen. Pro Jahr erkranken in Deutschland etwa 33.000 Männer und 13.200 Frauen an Lungenkrebs, meistens zwischen dem 55. und 70. Lebensjahr. Alleine in Nordrhein-Westfalen gibt es ca. 10.000 Neuerkrankungen pro Jahr. Ca. 95 Prozent aller Patienten mit Bronchialkarzinom sind Raucher.

Die Entfernung des Tumors durch eine Operation ist die wirkungsvollste Therapie. Voraussetzung hierfür ist, dass der Lungenkrebs noch nicht gestreut und Metastasen gebildet hat. Erforderlich ist die Entfernung eines kompletten Lungenlappens („Lobektomie“) und der Lymphknoten. Dies kann offen-chirurgisch oder wie bei den beiden betroffenen Patienten jetzt auch thorakoskopisch durchgeführt werden. Allerdings eignet sich das noch relativ junge endoskopische Verfahren nicht für alle Patienten: „Die Tumore dürfen nicht größer als vier Zentimeter sein, damit sie geborgen werden können und die Lymphknoten sollten noch nicht befallen sein. Unter diesen Voraussetzungen ist die neue Methode gegenüber der Brustkorberöffnung onkologisch absolut gleichwertig und gleichzeitig deutlich schonender“, so Dr. Wiebe.

Insbesondere bei Patienten mit schlechter Lungenfunktion kann die thorakoskopische Resektion mit deutlich geringerem Risiko angewandt werden und erlaubt Operationen, die offen-chirurgisch nicht mehr zugemutet werden könnten.

Den beiden Patienten, zwei Männer im Alter von 62 bzw. 73 Jahren, geht es wenige Tage nach dem Eingriff bereits wieder gut. Beide werden nun schon in den nächsten Tagen ihre Rehabilitationsmaßnahmen beginnen können. „Befreit von der Diagnose Krebs, werden die Beiden - viel früher als bisher üblich - ohne Einschränkungen bald wieder hoffentlich ein normales Leben führen können“, so Dr. Wiebe.

Von den Chirurgen fordert die aus den USA stammende Methode der thorakoskopischen Lappenresektion allerdings ein Umdenken und das Erlernen einer neuen Operations-Technik aus einer anderen Perspektive, betont UKM-Experte Wiebe. Er ist aber fest davon überzeugt, dass sich diese Methode, die bislang erst an sehr wenigen Zentren in Deutschland etabliert ist, sich immer weiter durchsetzen wird.

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