28.07.11ukm/dre

Prof. Normann Willich: Abschied nach 20 Jahren als Direktor der Strahlentherapie am UKM

Fachdisziplin entscheidend geprägt / Deutschlandweites Register zur Erfassung der Nebenwirkungen aufgebaut

Prof. Dr. Normann Willich

Prof. Dr. Normann Willich

„Die Strahlentherapie ist in den letzten Jahrzehnten immer präziser geworden. Wir können die Tumore besser orten und exakt bestrahlen. Und die Nebenwirkungen sind deutlich verringert worden“, beschreibt Prof. Dr. Normann Willich die aktuelle Entwicklung auf dem Gebiet der Strahlentherapie. An dieser Entwicklung hat er selbst entscheidend mitgewirkt, die letzten beiden Jahrzehnte als Direktor der Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie – Radioonkologie – am Universitätsklinikum Münster (UKM), die er seit 1991 geleitet hat. Ende Juli scheidet der 65-Jährige aus seinem Amt aus.

Die Frage, ob er sich wieder für „sein“ medizinisches Fachgebiet entscheiden würde, beantwortet der gebürtige Oldenburger mit einem entschiedenen „Ja“ und liefert die Begründung gleich mit: „Im Zuge der Bestrahlungen begleiten wir die an Krebs erkrankten Patienten oft viele Wochen und sehen sie in der Nachsorge wieder, dabei entstehen natürlich Bindungen. War die Arbeit erfolgreich oder muss etwas noch verbessert werden? Diese Frage wird täglich beantwortet“, so Willich. Neben diesem engen Patientenkontakt ist es auch der technische Aspekt der Arbeit, der ihn bis heute fasziniert: „Heute können wir jede Bestrahlung mithilfe der Computertomographie und weiterer Hilfsmittel automatisiert planen und können den Tumor exakt lokalisieren, vor 35 Jahren mussten wir die Bestrahlungspläne noch von Hand berechnen. Der technische Fortschritt war und ist enorm. Davon profitieren die Patienten.“

Erste intraoperative Bestrahlung mit Elektronen in Deutschland durchgeführt

Nach dem Studium der Humanmedizin in Kiel führte ihn seine Zeit als Medizinalassistent und Assistenzarzt 1975 schließlich nach Augsburg, wo er erstmals mit der Strahlentherapie in Berührung kam: „Nach zwei Tagen wusste ich: Das ist es!“ 1981 führte ihn sein medizinischer Werdegang an die Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort führte er 1986 die erste intraoperative Bestrahlung mit Elektronen bei einem Patienten in Deutschland überhaupt durch. Ein Verfahren, das heute, etwa in der Brustkrebsbehandlung, zum Standard zählt. Willich: „Gerade in den letzten Jahren hat dieses Verfahren wieder stark an Bedeutung gewonnen. Das freut mich natürlich sehr.“ Ebenso nachhaltig war eine multizentrische Studie zur Behandlung des Magenlymphoms, die erstmals Mitte der 1990er Jahre in gemeinsamer Leitung mit seinem Kollegen Dr. Koch aus der Internistischen Onkologie des UKM  durchgeführt wurde. „Bis zu dieser Studie wurden die meisten Patienten operiert, allerdings musste dabei auch oft der Magen entfernt werden. In unserer Studie konnten wir zeigen, dass Patienten mit einer Strahlentherapie eine gleiche Prognose hatten, allerdings den Magen, und damit natürlich deutlich mehr Lebensqualität, behalten konnten. Daraufhin wurden weltweit die Behandlungsstrategien geändert“, so der Strahlenmediziner.

„Prof. Willich hat in seiner 20-jährigen Tätigkeit als Klinikdirektor am UKM außergewöhnlich zur Profilbildung der Klinik und zur stetigen Verbesserung in der Patientenversorgung am UKM beigetragen. Die Strahlentherapie ist ein sehr wichtiger Eckpfeiler in der Betreuung krebskranker Menschen am UKM“, betont Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM. Auch in Forschung und Lehre habe sich der Hochschullehrer große Verdienste erworben, ergänzt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Wilhelm Schmitz: „Von seinen Forschungsprojekten profitieren heute viele Patienten, auch über Münster hinaus. Denn auch international genießt er enorm hohes Ansehen und nicht wenige Studierende hat er zu einem Berufsweg in seiner Fachdisziplin motiviert“.

Das zeigt auch das Engagement von Prof. Willich auf Ebene der medizinischen Fachgesellschaften und an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU): Hierzu zählen u.a. die Präsidentschaft der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO), seine Vorstandstätigkeit in der Europäischen Gesellschaft für Strahlentherapie und im Berufsverband Deutscher Strahlentherapeuten. 1998 bis 2002 war er zudem Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der WWU.

Solo-Cellist des „World Doctors Orchestra“

Neben dem klinischen Alltag und der vielfältigen Gremien- und Verbandsarbeit blieb er aber auch dem Cello-Spiel treu. Willich: „Ich hatte sogar kurz überlegt, Berufsmusiker zu werden, mich dann aber für die Medizin entschieden.“ Seinem Cello-Spiel hat dies allerdings nicht geschadet: So war er Solo-Cellist des Bayerischen Ärzteorchesters und ist es aktuell beim Orchester der Deutschen Kinderärzte und im „World Doctors Orchestra“. Dieses Ensemble besteht aus über hundert Musikern, die weltweit in über 20 Nationen als Ärztinnen und Ärzte tätig sind. „Wir spielen überall auf der Welt Benefiz-Konzerte, 2010 waren wir in Armenien und Taiwan. In Zukunft stehen Konzerte u.a. in USA, China und Südafrika auf dem Plan.“

Seinem medizinischen Fachgebiet wird er aber auch in Zukunft eng verbunden bleiben. Im Oktober wird er Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Zudem wird er das von ihm am UKM initiierte deutschlandweite „Register zur Erfassung von Spätfolgen nach Strahlentherapie im Kindes- und Jugendalter (RiSK)“ weiterhin wissenschaftlich leiten. Ein Projekt, das inzwischen auch von anderen Ländern übernommen wurde. „In diesem Register werden die Details der in Deutschland durchgeführten Strahlenbehandlungen bei Kindern und Jugendlichen sowie die später festgestellten Nebenwirkungen erfasst. Durch die in den letzten Jahrzehnten erzielte Verbesserung der Heilungschancen von Kindern und Jugendlichen mit einer Krebserkrankung gewinnt gerade die Erfassung dieser Nebenwirkungen und möglicher Spätfolgen immer mehr an Bedeutung, um so die Behandlungsschemata weiter zu verbessern. Mittlerweile sind hier über 1.300 Kinder und Jugendliche aus dem gesamten Bundesgebiet erfasst. Das Projekt wird von der Deutschen Kinderkrebsstiftung unterstützt. Auch daher werde ich mich hier noch weiter einbringen.“ Zum 1. September wird Prof. Dr. Hans Eich die Klinikleitung am UKM sowie die Professur an der Medizinischen Fakultät übernehmen, der von Köln nach Münster wechselt.

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