05.08.11ukm

Zähneknirschen: Häufig ist Stress im Alltag schuld

Bei starken Schmerzen durch Zähneknirschen kann Biofeedback helfen/ UKM bietet spezielle Sprechstunde an

Dr. Anne Wolowski, Oberärztin in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Münster (UKM).

Dr. Anne Wolowski, Oberärztin in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Münster (UKM).

Wenn sich der Partner über nächtliche Störgeräusche beschwert, kann es am Schnarchen des Bettnachbarn liegen – oder am Zähneknirschen. „Konkrete Zahlen gibt es nicht, aber Schätzungen zufolge haben bis zu 80 Prozent der Deutschen schon mal mit den Zähnen geknirscht“, sagt Dr. Anne Wolowski, Oberärztin in der Klinik für Zahnärztliche Prothetik und Werkstoffkunde des Universitätsklinikums Münster (UKM). Dabei wird nicht nur die Harmonie im Ehebett in Mitleidenschaft gezogen, es kann auch zu Schmerzen und gravierenden Verschleißerscheinungen des Gebisses kommen.

„Viele Patienten beklagen sich zunächst morgens über Muskelkater oder bemerken, dass ihr Mund weniger beweglich ist als sonst“, erklärt Dr. Wolowski. „Das ist wie nach einem Marathonlauf.“ Der behandelnde Arzt erkennt Zähneknirschen, im Fachbegriff  Bruxismus genannt, zum Beispiel an Muskelverspannungen. Wer sehr stark knirscht, entwickelt zudem Schlifffacetten an der natürlichen Zahnkrone. „Das kann sehr schnell gehen“, so Wolowski. Zuerst bietet der Zahnschmelz noch guten Widerstand. Ist der aber erstmal weggeknirscht, kommt es noch schneller zu weiteren Verschleißerscheinungen. Die Zähne werden dabei stark strapaziert. Wolowski: „Man geht davon aus, dass bei exzessivem Bruxismus die acht- bis zehnfache Kraft ausgeübt wird, wie normalerweise erforderlich ist, um Nahrung zu zerkleinern.“

Den typischen Knirscher gibt es nicht. Allerdings sind Menschen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren besonders häufig betroffen. Studien weisen außerdem daraufhin, dass Frauen häufiger unter ihrem Zähneknirschen leiden und schmerzhafte Symptome entwickeln als Männer.

Warum Patienten mit den Zähnen knirschen oder die Zähne unnatürlich stark und oft zusammenbeißen ist nicht gänzlich geklärt. Unter den vielen möglichen Ursachen ist neben Fehlstellungen des Gebisses Stress ein bedeutender Faktor: „Stress spielt tatsächlich eine sehr große Rolle“, so Wolowski, „An dem Sprichwort ‚Zähne zusammenbeißen und durch’ scheint etwas dran zu sein.“

Besonders den Patienten, die viel und unkontrolliert Knirschen, fällt es auch wenn sie eigentlich nicht mehr unter Strom stehen schwer, sich zu entspannen.

„Diesen Patienten versuchen wir mit der sogenannten Biofeedback-Methode zu helfen“, sagt Wolowski. Bei diesem Verfahren können die Patienten am Bildschirm sehen, wie stark sie ihre Muskeln beanspruchen. Mit dieser optischen Unterstützung üben sie die entspannte Haltung und versuchen sich das Gefühl, das dabei entsteht, zu merken. Indem die Bewegungen der Kaumuskulatur auf einen Bildschirm übertragen werden, werden sie für den Patienten beobachtbar. Die Patienten sollen sich so dieser Handlungen bewusst werden und diese später dann auch ohne Hilfsmittel besser steuern können. Zusätzlich können physiotherapeutische Übungen angewandt werden. Eine Zahnschiene hilft, die Zähne zu schützen.

Wissenschaftlich gesehen gehört Zähneknirschen zu den sogenannten Parafunktionen. Menschen, die darunter leiden, üben Bewegungen wie Knirschen oder Zusammenbeißen der Zähne aus, ohne dass damit eine zielgerichtete Funktion, wie zum Beispiel die Zerkleinerung von Nahrung durchgeführt wird. Obwohl bis zu 80 Prozent der Deutschen solche Parafunktionen durchführen, leiden nicht alle unter Schmerzen. Nur circa 20 Prozent der Betroffenen wissen überhaupt, dass sie mit den Zähnen knirschen. Wolowski: „Deshalb gibt es hier eine hohe Dunkelziffer.“ Zähneknirschen sei ein Phänomen, das ähnlich wie Kopf- und Rückenschmerzen, häufig und immer wieder vorkomme.

Anne Wolowski rät: „Wer unter den Folgen des Bruxismus leidet, sollte nicht lange warten, sondern schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen.“ Besonders wichtig: „Bruxismus-Patienten müssen lernen, mit Stress umzugehen und auch mal abzuschalten. Denn den Stress wirklich abstellen kann niemand, dem unterliegen wir alle“, so Wolowski. Wenn es aber gelingt, die Zähne zu schützen und die Kontrolle über die Bewegungen zurückzugewinnen, könnten auch die Schmerzen verschwinden.

Die Zahnklinik des UKM bietet eine spezielle Sprechstunde für Patienten mit unklaren Kiefer-Gesichtsbeschwerden an. Informationen hierzu unter Tel.: 0251/83-47079.


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