Klinik für Hautkrankheiten

Die Moulagensammlung der Universitäts-Hautklinik Münster

Projektleitung, Texte: Prof. Dr. S. Ständer
Bibliothekarin, Betreuung Moulagen: Jeannette Crout
Fotografien: Jutta Bückmann

(Klicken Sie auf die Moulagen, um sie vergrössert anzuzeigen)

Definition Moulage

Die Münsteraner Hautklinik befindet sich im Besitz von zahlreichen Moulagen, die erst kürzlich gesichtet und katalogisiert wurden. Eine dermatologische Moulage (frz. mouler = formen, pressen, gießen) ist eine dreidimensionale, in Form, Farbe und Maßstab naturgetreue Nachbildung einer Hauterkrankung aus Wachs. Seit dem 17. Jahrhundert wurden die Wachsmodelle in vielen Universitäten als Anschauungsobjekte der Lehre der Anatomie und Pathologie eingesetzt. Insbesondere die Dermatologie hat gerne auf Wachsmodelle zurückgegriffen, um Dermatosen zu visualisieren und neu entdeckte Krankheitsbilder zu dokumentieren. Moulagen dienten außerdem bis 1923 als Vorlagen für Abbildungen in dermatologischen Lehrbüchern und Atlanten.
Nach dem Aufblühen der Wachsbildnerei löste die Fotografie ab den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts Moulagen als Dokumentationsmittel langsam ab. Fotos sind nicht nur leichter zu reproduzieren, sie sind auch bedeutend günstiger herzustellen und platzsparender zu archivieren. Ganze Moulagensammlungen wurden aufgrund dessen ausrangiert und eingeschmolzen oder in Kellern eingelagert. Ein wichtiger Großteil der deutschen Moulagenbestände wurde außerdem während des zweiten Weltkrieges zerstört. Einige Universitäts-Hautkliniken verloren sogar sämtliche Bestände. Soweit dezimiert fanden Moulagen ab den fünfziger Jahren in nur wenigen Hautkliniken als Lehrmittel Beachtung. In Europa wurden nach 1957 kaum noch Moulagen hergestellt. Das allgemeine Interesse an dermatologischen Moulagen ist erst in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts wieder erwacht. Mittlerweile haben viele Universitätskliniken ihre verbliebenen Sammlungen neu entdeckt und ausgestellt.

Bestand der Münsteraner Moulagensammlung

Die dargestellten Diagnosen der Münsteraner Moulagen umfassen hauptsächlich Infektionskrankheiten. Unter diesen ist an erster Stelle die Syphilis zu nennen. 25 Moulagen zeigen vom Primäraffekt bis zur Sattelnase die verschiedenen Stadien der Erkrankung.

Lues connata bullosa (kindliche Syphilis), ca. 1936 in Freiburg hergestellte Moulage von Otto Vogelbacher. Die Säuglinge werden schon während der Schwangerschaft durch die infizierte Mutter angesteckt und zeigen innerhalb der ersten 2 Lebensjahre Symptome.

9 Moulagen bilden die heute nicht mehr existenten sogenannten Blattern oder Pocken, lat. Variola vera, ab. Hierbei handelte es sich um eine hochinfektiöse, früher häufig tödlich verlaufende Viruserkrankung, die sich mit generalisierten Bläschen, Papeln und nachfolgenden kleinen Narben manifestiert.

(Bild rechts: Pocken (Variola vera), Moulage von Alfons Kröner, die zwischen 1910 und 1937 in Breslau hergestellt wurde.)

Andere Wachsmodelle demonstrieren heute seltene Erkrankungen wie Hautdiphtherie, Hautmilzbrand oder Hauttuberkulose.
Hauttuberkulose (Lupusknötchen), Moulage von Otto Vogelbacher, die in der Universitäts-Hautklinik Freiburg hergestellt wurde. Es handelt sich hierbei um eine im 19. Jahrhundert weit verbreitete durch Bakterien hervorgerufene Infektionskrankheit vorwiegend der Lunge, die auch an der Haut zu schwerwiegenen Krankheitsbildern führen kann. Da die Knötchen unter Glasspateldruck eine charakteristische Eigenfarbe aufweisen, wurde diese Moulage mit Glasspatel angefertigt.

Entzündliche Dermatosen sind nur spärlich vertreten; zwei Moulagen bilden den Lupus erythematodes ab, nur eine die atopische Dermatitis. Die Psoriasis ist lediglich in Form eines Nagelbefalls dargestellt. Andere heute häufige Diagnosen wie die Akne vulgaris oder Urtikaria fehlen gänzlich. Hauttumoren sind bis auf ein Plattenepithelkarzinom nicht vertreten. Einige Moulagen bilden Hautlymphome ab.

Moulage von Elsbeth Stoiber (oben), die ein Hautlymphom (Mykosis fungoides) sowie einen Gefäßtumor (Morbus Kaposi) zeigt. E. Stoiber hielt sich als einzige Mouleurin 3 Monate im Herbst 1953 an der Hautklinik Münster auf und fertigte Wachsmodelle nach stationären Patienten der Klinik.
Auf der Rückseite der Moulage (unten) dokumentierte E. Stoiber Entstehungsdatum und -ort ("Oktober 1953, Fall der U.H.K. Münster/W.").