Pressemeldungen Archiv 2013

09.04.13ukm/mdr

Endlich hören: Mitten im Leben dank Cochlea Implantat

Louis (10) kam gehörlos zur Welt – heute spielt er Fußball und geht ab dem Sommer aufs Gymnasium / Informationstag zu Hörprothesen am Samstag, 13. April, am Universitätsklinikum Münster

Letzte Abstimmungen, bevor es für Louis bald auf das Gymnasium geht: Prof. Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen (l.) im Gespräch mit Louis Mutter (r.), während Diplom-Logopädin Karen Reichmuth (2.v.l.) Übungstests mit dem 10-Jährigen macht.

Louis kann wieder hören. Auf beiden Ohren. Und das, obwohl er gehörlos zur Welt gekommen ist. Im Sommer wechselt der aufgeweckte 10-Jährige aufs Gymnasium – denn heute machen ihm neben dem Hören weder das Sprechen oder das Miteinander mit den Schulkameraden zu schaffen. „Vor neun Jahren haben wir Louis das erste Cochlea Implantat am rechten Ohr eingesetzt, drei Jahre später folgte eine OP am linken Ohr“, sagen Prof. Claudia Rudack, Leiterin der HNO-Klinik, und Prof. Antoinette am Zehnhoff-Dinnesen, Leiterin der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des UKM (Universitätsklinikum Münster). Dabei handelt es sich um eine implantierbare Hörprothese, mit der Gehörlos geborene oder nach der Erlernung der Sprache ertaubte Kinder oder Erwachsene die Möglichkeit bekommen, Geräusche und Sprache wahrzunehmen und zu verstehen.

Etwa 60 Cochlea Implantate (CI) werden jährlich in Münster bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt, die minimal-invasive OP dauert zwei bis drei Stunden. „Bei Säuglingen operieren wir heute ab dem achten Monat, bei älteren Patienten ist keine Grenze nach oben gesetzt“, erklärt Rudack, die die Operationen zumeist persönlich durchführt. Zwei bis drei Tage müssen die Patienten im Klinikum bleiben, anschließend folgt ein Rehabilitationsprogramm am UKM zur Einstellung des Sprachprozessors. Danach beginnen Erwachsene mit einem Hörtraining, etwa zwei bis vier Monate sind dafür notwendig. „Das Ziel einer Cochlea Implantation bei spät ertaubten Erwachsenen ist ein offenes Sprachverstehen, die Steigerung der Teilnahme am sozialen Leben und dadurch eine gesteigerte Lebensqualität“, so Rudack.

Bei Kindern wie Louis ist die Rehabilitationsphase deutlich umfangreicher, da nicht nur das Hören, sondern auch das Sprechen erlernt werden muss. „Wir beginnen in unserer Tagesklinik, wo sich auch die Möglichkeit bietet, mit unserem speziellen Elternprogramm die Mütter und Väter mit in die Reha einzubeziehen“, sagt Diplom-Logopädin Karen Reichmuth. „Anschließend findet die Therapie ein- bis zwei Mal wöchentlich statt, bis wir die Kinder an Logopäden am Wohnort übergeben.“ Entscheidend für den guten Erfolg der CI-Versorgung ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Physikern, Logopäden, Hörgeräteakustikern, Psychologen und Audiometristen sowie Pädagogen und Frühförderern.

Während bei Erwachsenen die Diagnose von Schwerhörigkeit oder Taubheit aufgrund vorhandener Kommunikationsfähigkeit gut möglich ist, hilft bei Neugeborenen ein spezielles Hörscreening, bei dem die Reaktion des Innenohrs bzw. Gehirns auf einen Sonden-Ton gemessen wird. Seit 2009 hat in Deutschland jedes Neugeborene ein Recht auf diese Untersuchung, jedoch wird nur etwa die Hälfte der im Hörscreening auffälligen Kinder zeitnah einer Hörprüfungskontrolle zugeführt. Deshalb stellen offizielle Hörscreening-Zentralen wie am UKM die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Zeitschiene einer endgültigen Diagnostik bis zum dritten und einer Hörgeräteversorgung bis zum sechsten Lebensmonat sicher. „Wir beginnen bei Indikation zur Cochlea Implantation dann schon vor der Operation mit einer Hörgeräte-Therapie, um die Kinder bestmöglich auf eine erfolgreiche Kommunikationsfähigkeit mit Orientierung am normalen Spracherwerb vorzubereiten und auch die psychische und soziale Entwicklung sicher zu stellen“, sagt am Zehnhoff-Dinnesen. Wie in der späteren Reha mit familienzentriertem Ansatz werden auch in dieser Phase die Eltern miteinbezogen.

Louis hat diese Schritte bereits erfolgreich durchlaufen. Er ist mittlerweile nur noch ein bis zwei Mal im Jahr an der Uniklinik in Münster. „Da machen wir dann immer so Tests und stellen alles ein“, erzählt der Blondschopf, der im Herbst ein neues Gerät am rechten Ohr bekommen hat. „Das ist kleiner als das vorherige“, sagt Louis, während er beide Geräte löst und den Unterschied zu dem Gerät am linken Ohr zeigt, das nach fünf Jahren turnusmäßig bald ebenfalls ausgetauscht wird. Denn nicht nur in der Leistung der Sprachprozessoren verbessern sich die Geräte, auch Eigenschaften wie die Wasserdichte werden stetig optimiert. Nicht zu unterschätzen, wie Louis Mutter zu berichten weiß. Ein Platzregen bei einem Fußballspiel hatte bereits bei einem vorherigen Gerät ausgereicht, um es kurzfristig außer Gefecht zu setzen. Von solchen Zwischenfällen lässt sich Louis aber längst nicht mehr aus der Ruhe bringen. Schließlich kann er dank CI hören – was gibt es Schöneres?!

Informationstag zu Hörprothesen am 13. April 2013
Am 13. April findet in der HNO-Klinik und der Klinik für Phoniatrie und Pädaudiologie des UKM, Kardinal-von-Galen-Ring 10, 48149 Münster eine kostenfreie Informationsveranstaltung „Wenn Hörgeräte nicht mehr helfen“ von 11 bis 16 Uhr statt.

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