Pressemeldungen Archiv 2013

14.06.13ukm/mdr

Verschärfte Hygienemaßnahmen auf Kinderintensivstation des UKM

Auf der Kinderintensivstation 19A und 19B West des UKM werden derzeit keine neuen Patienten aufgenommen.

Auf der Kinderintensivstation der Kinderklinik des UKM (Universitätsklinikum Münster) werden derzeit keine neuen Patienten aufgenommen. Hintergrund ist die Besiedelung von zehn Kindern mit dem Keim Serratia marcescens. Serratien sind Umweltbakterien, die vorübergehend auch im Darm des Menschen vorkommen können und beim gesunden Menschen nicht gefährlich sind. Lediglich für den kranken, immungeschwächten Patienten können sie eine Gefahr darstellen. Daher werden im UKM im Rahmen des Hygienemanagements bei allen Patienten kontinuierlich mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt, um zu prüfen, mit welchen Keimen Patienten besiedelt sind. Im Rahmen dieser standardisierten Untersuchungen ist die Häufung festgestellt worden.

„Wir identifizieren durch diese regelmäßigen Untersuchungen schon frühzeitig besiedelte Patienten noch bevor es zu einer Infektion kommt und führen dann bei diesen Patienten noch einmal intensivere Hygienemaßnahmen durch. Wir können dadurch sehr viele Infektionen trotz Besiedelung von Patienten verhindern“, sagt Prof. Dr. Norbert Roeder, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des UKM. Wenn mehrere Patienten in einem Bereich besiedelt sind, wird von einer Häufung gesprochen. In diesem Fall werden am UKM die Hygienemaßnahmen noch weiter verschärft. Trotzdem kann auch das UKM nicht garantieren, dass bei allen Patienten Infektionen sicher verhindert werden.

Bei einem Kind ist es zu einer Infektion mit einer Sepsis gekommen. „Wir haben umgehend mit einer Antibiotika-Therapie begonnen. Der Zustand des Kindes ist kritisch. Es wird mit allen Möglichkeiten, die die Medizin bietet, behandelt“, so Roeder.

Der im UKM nachgewiesene Keim Serratia marcescens ist empfindlich gegen die üblicherweise zur Therapie eingesetzten Antibiotika. Es handelt sich also nicht um einen multiresistenten Keim. Weitere Infektionen sind bisher nicht aufgetreten. Alle Kinder in diesem Bereich werden engmaschig überwacht.

Um Besiedelungen bei weiteren Kindern zu verhindern, wurde am UKM am Mittwoch, 12. Juni 2013, zur Sicherheit die Zahl der Aufnahmen in diesen Bereich an die aktuelle Situation angepasst. „Um die Sicherheit der Patienten noch weiter zu verbessern, wird derzeit eine zusätzliche Sonderreinigung der Station durchgeführt“, so Prof. Norbert Roeder. „Durch diese kurzfristig eingeleiteten Vorsichtsmaßnahmen haben wir derzeit keine weiteren räumlichen wie personellen Kapazitäten und deshalb die Zahl der Aufnahmen angepasst.“ Auf der betroffenen Station muss jeweils ein Zimmer vollständig leer geräumt werden, damit die Sondereinigung erfolgen kann. Hierzu werden die Kinder jeweils in andere Zimmer verlegt. „Dies bedeutet leider auch, dass nicht alle geplanten Operationen durchgeführt werden, sondern zum Teil auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden müssen“, sagt Roeder.

Am Universitätsklinikum Münster hat Prof. Dr. Norbert Roeder als Ärztlicher Direktor sofort nach Kenntnis der Häufung der Besiedelungen eine Kommission gebildet, die diese Fragen inklusive der Ursache der Häufung untersucht. Diese Kommission besteht aus Experten aus verschiedensten Bereichen des UKM (Hygiene, Neonatologie und Kinderintensivmedizin, Pflege, Mikrobiologie etc.) und steht in engem Kontakt zum Gesundheitsamt der Stadt Münster. Dieses wurde frühzeitig informiert. Es wurden alle notwendigen Maßnahmen ergriffen, um eine Gefährdung der betroffenen Kinder zu vermeiden.

Täglich wird die Lage neu besprochen und geprüft, wie die getroffenen Maßnahmen angepasst werden müssen. In diesem Zuge wurden die schon sehr umfangreichen Hygienemaßnahmen am UKM in Reaktion auf die mikrobiologisch nachgewiesene Häufung der Besiedelungen noch weiter verstärkt.

Am Universitätsklinikum Münster, in dem sehr viele schwerkranke Patientinnen und Patienten behandelt werden, die abwehrgeschwächt und daher besonders gefährdet sind, besteht ein umfassendes Hygienemanagement in das erhebliche Personalressourcen investiert wurden. An den mehr als 2000 Krankenhäusern in Deutschland sind nach Statistik der Bundesärztekammer insgesamt 73 Fachärzte für Hygiene und Umweltmedizin beschäftigt; alleine drei davon arbeiten hier am Universitätsklinikum Münster.

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