Pressemeldungen Archiv 2013

22.07.13ukm/mdr

Erste Wach-Op am Gehirn im Iran: UKM-Ärzte befreien 16-Jährige von Epilepsie

Khatam Hospital fragt Hilfe bei Spezialisten in Münster an / Einsatz von iranischem Fernsehen begleitet

Zufriedene Gesichter nach geglückter Operation (v.l.n.r.): Prof. Dr. Ali Gorji, Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp, Nilofaar und Prof. Dr. Walter Stummer.

Niloofar rechnet, sagt Gedichte auf, lauscht den Ereignissen im Op-Saal – bei geöffneter Schädeldecke. Im Khatam Hospital im Iran spielt sich eine Szene ab, die es in dem Land vorher noch nie gegeben hat. Mittendrin: Prof. Dr. Walter Stummer, Direktor der Klinik für Neurochirurgie, und Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp, Leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, operative Intensivmedizin und Schmerztherapie des UKM (Universitätsklinikum Münster). Vier Stunden dauert die Operation, entfernt wird ein gutartiger Hirntumor, der bei dem 16 Jahre alten Mädchen mehrmals täglich starke epileptische Anfälle auslöst. Trotz hoch dosierter Medikamente ist ein normales Leben für das aufgeweckte Mädchen, das gerne Gitarre spielt und Gedichte schreibt, nicht möglich.

Knapp drei Wochen ist die Operation jetzt her, einen Krampfanfall hatte Nilofaar seitdem nicht mehr. „Das ist ein sehr gutes Zeichen. Wir gehen davon aus, dass wir das Tumorgewebe so weitreichend entfernen konnten, dass das Mädchen keine Probleme mehr haben wird. Endgültige Sicherheit haben wir aber erst nach einem Jahr“, sagt Prof. Dr. Walter Stummer, der im Frühjahr von einem Kollegen aus dem Khatam Hospital, zu dem das UKM eine wissenschaftliche Beziehung pflegt, um Hilfe gebeten wurde. Nachdem sämtliche Befunde ausgetauscht, Ausreise und Transfer der Patientin nach Münster aufgrund der Auflagen jedoch nicht möglich waren, folgte eine Einladung in den Iran. Für Stummer war klar: Ohne eigenes Equipment eine hochspezielle Operation durchzuführen, ist eine Herausforderung. Aber es ist machbar. Doch ohne einen geeigneten Anästhesisten zu fliegen, das ist undenkbar. Schließlich handelt es sich bei der Operation in wachem Zustand um ein Verfahren, das selbst in Deutschland derzeit nur von ausgewiesenen Spezialisten durchgeführt wird. „Der Vorteil ist, dass wir während der Op überprüfen können, ob Funktionen wie beispielsweise das Sprachzentrum beeinträchtigt werden und wir dadurch sehr genau vom Tumor betroffenes Gewebe entfernen können, ohne große Folgeschäden zu riskieren“, erklärt Stummer, der zudem den gebürtigen Iraner Prof. Dr. Ali Gorji, Experte für Epilepsieforschung am Institut für Neurophysiologie der Westfälischen Wilhelms-Universität, für die Reise gewinnen konnte.

Auch für Prof. Dr. Klaus Hahnenkamp war der Eingriff alles andere als Alltag. „Wir haben uns im Vorfeld sehr intensiv mit den Kollegen ausgetauscht, um sicherzustellen, dass alle notwendigen Medikamente und Geräte vor Ort sind“, so der Anästhesist. „Letztendlich war aber doch sehr viel Improvisation gefragt. Ich konnte meine 14 Jahre Berufserfahrung sehr gut gebrauchen.“ Alleine vier Mal hat Nilofaar während der Op gekrampft; eine enorme Herausforderung bei der Abstimmung der Anästhetika und gleichzeitiger Gabe entkrampfender Medikamente. Dennoch haben beide Mediziner ihren ehrenamtlichen Einsatz – der aufgrund des ersten operativen Eingriffs dieser Art sogar vom iranischen Fernsehen begleitet wurde – als persönliche Bereicherung empfunden.

Und Nilofaar? Sie ist bereits seit mehr als zwei Wochen zuhause. Nach nur fünf Tagen konnte sie das Krankenhaus verlassen. Seitdem hat sich für die 16-Jährige vieles verändert. Nilofaar schreibt wieder Gedichte, spielt Gitarre – und lebt endlich den ganz normalen Alltag einer Jugendlichen. Ohne Krampfanfälle.

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