25.10.16ukm/aw

Kleiner Piks, großer Nutzen: Grippeimpfung schützt

Der Herbst ist da und mit ihm nicht nur die üblichen Erkältungskrankheiten sondern leider auch die weitaus gefährlichere Grippe. Dr. med. Peter Czeschinski, Leiter des Arbeitsmedizinischen Dienstes des UKM und der Westfälischen Wilhelms-Universität, über die Gefahren der echten Influenza, die mit einer Grippeimpfung vermieden werden kann.

Dr. med. Peter Czeschinski impft zum Auftakt der Mitarbeiterimpfungen am UKM den Ärztlichen Direktor Prof. Dr. med. Norbert Roeder

Jedes Jahr im Herbst dieselbe Frage: Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen, ist das sinnvoll?
In jedem Fall! Die Grippeschutzimpfung ist eine der besten Möglichkeiten, einer schweren, völlig vermeidbaren Krankheit zu entgehen. Mit einem geringen Aufwand, ohne ein wesentliches Risiko und natürlich auch zum Nutzen der anderen Menschen, mit denen man arbeitet oder mit denen man im privaten Bereich zusammenlebt.

Viele denken, die Gefahr wäre nur auf medizinisches Personal beschränkt?
Jeder, der in seinem persönlichen Umfeld Menschen hat, die durch chronische Erkrankungen oder auch allein durch ihr Alter besonders anfällig für Infektionskrankheiten sind, der sollte eine besondere Motivation haben, nicht nur für sich, sondern auch für seine Lieben die Grippeimpfung durchführen zu lassen. Wir wissen, dass die Verläufe der Influenza – also der echten Grippe – gerade bei Menschen, die aus diesen sehr vielfältigen Gründen immunschwächer sind als andere, viel schwerer sind. Dort kommt es viel häufiger zur Notwendigkeit stationärer Aufenthalte und im schlimmsten Fall sogar zu Todesfällen.

Gerade Eltern machen sich oft Sorgen, die Grippeimpfung könnte ihrem Kind schaden...
Nein, für Kinder gelten im Prinzip die gleichen Empfehlungen wie für Erwachsene. Wobei bei unter 7 jährigen Kindern spezielle Impfstoffe eingesetzt werden sollten. Hier ist es sinnvoll, den Kinderarzt anzusprechen. Gerade Kinder halten sich am häufigsten in Gemeinschaftseinrichtungen wie der Schule auf. Kinder vertragen die Impfung sehr gut. Ich habe selbst einen Sohn und habe ihn immer geimpft – auch schon zur Kindergartenzeit.

Würden Sie die Impfung auch für gesunde Menschen mittleren Alters ohne ein bekanntes Risiko empfehlen?
Ja, sicher! Immer dann, wenn von dieser Person eine Gefahr für Kontaktpersonen ausgehen kann. Und die Impfung schützt auch jeden selbst vor einem vermeidbaren Erkrankungsrisiko. Wir sind in den letzten Jahren in Deutschland verwöhnt worden. Wir hatten zu früheren Zeiten viel, viel schwerere Grippewellen auch mit zahlreichen Todesfällen. Und viele machen sich gar nicht bewusst, dass die sogenannte „Spanische Grippe“, die noch in den Köpfen vieler ist, insbesondere in den Jahren 1918 bis 1920 mehr Todesopfer gefordert hat als der gesamte Erste Weltkrieg. Deutschlandweit gibt es im Schnitt etwa zwischen 3.000 und 30.000 Todesfälle pro Jahr. In der letzten Saison gab es rund 30.000 schwere Fällen, bei denen die Patienten in ein  Krankenhaus mussten – und das, obwohl wir eine vergleichsweise schwache Grippesaison hatten.
Gibt es eine Wahrscheinlichkeit, dass irgendwann ein so gefährlicher Erreger wie bei der Spanischen Grippe wieder eine Pandemie auslöst?
Ja, da gibt es schon eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Gerade weil wir die Situation haben, dass die Grippeerreger sich ständig genetisch austauschen. Wir haben nicht nur primär Human-Influenzastämme, wir haben auch tierische Influenzastämme, wie zum Beispiel bei der Vogelgrippe. Oder beim Schwein, das sich sowohl mit menschlichen als auch mit Stämmen der Vogelgrippe infizieren kann. Und gerade in den Ländern, in denen es eine ganz enge Gemeinschaft zwischen Vögeln, Hühnern, Enten, Schweinen und dem Menschen gibt, kommt es tatsächlich zu einem solchen Austausch von genetischem Material, zum Beispiel im Schwein. Mit der Gefahr, dass sich die hohe Ansteckungsfähigkeit der menschlichen Stämme mit den schweren Krankheitsverläufen der Vogelgrippe in einem Virus vereinen.

Macht es für den Verbraucher Sinn, sich mit antiviralen Medikamenten wie zum Beispiel Tamiflu einzudecken?
Nein, das macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Das war ja damals die Situation bei der Schweinegrippe, dass man Einlagerungen gefordert hat von Seiten des Bundes und der Länder. Mittlerweile wissen wir, dass die Wirkungsbreite und -stärke dieser Therapeutika eher gering ist. Man müsste die Therapie eigentlich schon beginnen, bevor sich die ersten Symptome von Grippe zeigen, so dass ich keine private Bevorratung empfehle.

Wie sicher ist der Impfstoff?
Die Grippeimpfung ist eine der häufigsten Impfungen weltweit. Die Nebenwirkungsrate ist bei Berücksichtigung individueller Risiken verschwindend gering. Manchmal tritt eine leichte Rötung an der Einstichstelle auf, manchmal ein bisschen Muskelkater. Man darf nach der Grippeimpfung Sport treiben, man eigentlich alles tun. Und: Man kann nicht durch die Impfung selbst an der Grippe erkranken, denn in dem Impfstoff ist kein Erreger. Es gibt keine Grippe durch die Grippeimpfung! Und die Schutzquote der Impfung liegt bei immerhin bis zu 70 Prozent.

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