Pressemeldungen Archiv 2014

16.04.14bistum/ukm

CT-Untersuchung am UKM trägt zur Datierung des Domkreuzes bei

Computertomographische Untersuchung ergibt Aufschluss über Zeitraum der Entstehung des großen Triumphkreuz

Domkreuz im CT: Die abendliche Untersuchung im Sinne der Wissenschaft wurde begleitet (v.l.) von Priv.-Doz. Dr. Boris Buerke, Prof. Dr. Walter Heindel, Domkustos Dr. Udo Grote, Prof. Dr. Dr. Otmar Schober und Restauratorin Marita Schlüter.

Präsentation der Ergebnisse am Triumphkreuz im St.-Paulusdom (v.l.): Prof. Dr. Walter Heindel, Marita Schlüter, Dr. Tilo Schöfbeck, Kurt Schulte, Dr. Udo Grote und Priv.-Doz. Dr. Boris Buerke.

„Für Kunstpfleger ist das eine absolute Sensation!“ – Domkustos Dr. Udo Grote hatte allen Grund zur Freude: Jetzt weiß er ziemlich sicher, wie alt das große ‚Triumphkreuz‘ ist, das hoch oben im Altarraum des St.-Paulusdoms in Münster hängt. Eine computertomographische Untersuchung am Universitätsklinikum Münster (UKM) lieferte Bilder, deren Auswertung Grote so zusammenfasste: „Dieses einzigartige Kruzifix entstand höchstwahrscheinlich tatsächlich während der Bauphase des heutigen Doms zwischen 1220 und 1250“.

Beim Pressetermin am Mittwoch (16. April) im Dom war das große Kreuz herunter gelassen und die Verhüllung entfernt worden, mit der es während der Passionszeit umhüllt ist. Journalisten, Fotografen und Kameraleute nutzten die Gelegenheit, das bedeutende, ansonsten unerreichbare Kreuz selbst aus nächster Nähe in Augenschein zu nehmen.

Anschließend wurde die beeindruckende Geschichte der CT-Untersuchung des übermannsgroßen 300-Kilo-Kreuzes erzählt. Alles für die Domrenovierung ausgelagerte bewegliche Inventar, auch das große Triumphkreuz, musste im Januar 2013 vor der Wiedereröffnung wieder zurück in die Kathedrale gebracht werden, schilderte Dompropst Kurt Schulte. Dabei habe der Laster einen Zwischenstopp am UKM gemacht.

In der Radiologie wurde der ungewöhnliche Untersuchungsgegenstand in Empfang genommen. „Wir haben aus wissenschaftlichem Interesse die Untersuchungen an einem Abend durchgeführt. Die Versorgung unserer Patienten war selbstverständlich gleichzeitig sichergestellt“, hebt Prof. Dr. Walter Heindel, Direktor des Instituts für Klinische Radiologie am UKM, hervor. Er erinnert sich: „Trotz der Größe des UKM war es nicht ganz einfach, das Triumphkreuz in den Untersuchungsraum zu bringen, aber gemeinsam mit dem Transportunternehmen haben wir es dann geschafft."

Nacheinander waren der 3,50 m lange Längs-, dann der 2,60 m lange Querbalken des Kreuzes und schließlich das Unterteil der Christusfigur in das Mehrschicht-Spiral-CT geschoben worden. Für den Kopf und die Arme kam ein zweites, mobiles CT-Gerät zum Einsatz, weil man damit mehr vom Halsbereich erfassen konnte. Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Boris Buerke hatte die Untersuchung geleitet und war selbst begeistert: „Details wie Nägel, Verwachsungen oder Aushöhlungen waren klar zu erkennen, hochstrukturiert bis in den Submillimeterbereich“. Und Restauratorin Marita Schlüter war hocherfreut: „Früher haben wir mit der Kopflupe Jahresringe gezählt, heute brauchten wir das Kreuz nicht einmal auszupacken“.

Die CT-Untersuchung dauerte wenige Stunden, die anschließende Analyse fast ein Jahr. Buerke hatte die mehr als 25.000 aufgenommenen Mehrschicht-Bilder freiwillig und unentgeltlich ausgewertet und aufbereitet, so dass eine dreidimensionale Grafikanimation entstand. Die Untersuchungsergebnisse waren anschließend vom Schweriner Archäologen und Bauforscher Dr. Tilo Schöfbeck analysiert und interpretiert worden. Schöfbecks Vergleich der Jahresringmuster mit Referenzkurven von Hölzern bestimmter Zeiten und Regionen ergab: Der Baum sei mindestens bis in das Jahr 1207 gewachsen und stamme aus den Höhen Westfalens oder der näheren Umgebung. Alles spreche dafür, dass dieses Kreuz zwischen 1220 und 1250 entstanden sei, also während der Zeit des dritten Dombaus in Münster (1225 bis 1264).

Vor der CT-Untersuchung hatten Datierungsangaben für das Domkreuz in einem größeren Korridor zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert gelegen. Väter der Idee zur Computertomographie waren der frühere Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am UKM, Prof. Dr. Dr. Otmar Schober und Dr. Grote. „Wir hatten über CT-Untersuchungen von Mumien gesprochen“, erinnert sich der Diözesankonservator, „jetzt bin ich einfach nur dankbar, dass wir im Jahr des 750jährigen Domjubiläums die Datierung des Domkreuzes so klar haben“.

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