Pressemeldungen Archiv 2014

24.04.14ukm/mdr

Neues Implantat zur Korrektur von X- und O-Beinen entwickelt

Erfindung bereits patentiert und bald weltweit zugänglich / Implantat ermöglicht bessere Ergebnisse durch kürzere OP-Zeiten und höhere Präzision

Prof. Dr. Robert Rödl mit Moritz (14), dem diese Woche die am UKM mitentwickelten Implantate zur Korrektur der X-Beine nach siebenmonatiger Tragezeit entfernt wurden.

Gelungene Premiere: Am UKM (Universitätsklinikum Münster) ist in dieser Woche die erste Behandlung mit einem neu entwickelten Implantat zur Korrektur von X- und O-Beinen erfolgreich abgeschlossen worden. Einem 14 Jahre alten Patienten wurde nach siebenmonatiger Tragezeit das im eigenen Hause mitentwickelte Implantat, das eine schonende und gleichzeitig präzisere Behandlung bis hin zur vollständigen Korrektur der Fehlstellungen ermöglicht, explantiert. „Beide Eingriffe und die Behandlung sind sehr gut verlaufen und die Fehlstellung ist vollständig behoben“, zeigt sich Prof. Dr. Robert Rödl, Chefarzt Abteilung für Kinderorthopädie, Deformitätenrekonstruktion und Fußchirurgie des UKM, zufrieden.

Alleine in Deutschland werden jährlich rund 8000 Kinder und Jugendliche wegen X- und O-Beinen operiert. Neben der oftmals sichtbaren Fehlstellung leiden viele von ihnen unter Schmerzen in den Kniegelenken. Die falsche Beinstellung führt zu einer Mehrbelastung der Außen- oder Innenseite des jeweils betroffenen Gelenkanteils, was zu einem vorzeitigen Verschleiß des Gelenkes und Arthrose führt. Zur Behebung der Fehlstellung werden bereits seit Jahrzehnten Implantate in Form einer Klammer in der Nähe der Wachstumsfuge im Knie platziert. „Bei der bisherigen Klammer gab es jedoch das Problem, dass diese nur schwer zu platzieren war und verrutscht oder gar herausgefallen ist“, weiß Rödl aus langjähriger Operationserfahrung.

Das neue Implantat besteht aus Titan, ist – je nach Größe des Patienten – 25 oder 30 Millimeter groß und anatomisch geformt, sodass es sich dem Knochen anpasst. Durch eine spezielle Außenstruktur mit einer Art Widerhaken garantiert es einen festen Sitz. Dennoch dürfen die Haken nicht dazu führen, dass der Knochen bei der Entnahme des Implantats verletzt wird, beschreibt der Orthopäde eine der Herausforderungen. Diese wurde durch ein spezielles Innengewinde gelöst, durch das sich die Implantate letztendlich sogar leichter als andere Produkte entfernen lassen. Da ein Eingriff an der Wachstumsfuge sehr speziell ist und irreparable Schäden verursacht werden können, war es Rödl bei der Entwicklung zudem wichtig, dass das Einsetzen nicht nur äußerst präzise möglich, sondern auch leicht erlernbar ist. Eine Bohrung in den Schenkeln der Klammer und spezielle Instrumentarien helfen dabei, die Position exakt festzulegen. „Durch diese Neuentwicklung erhöht sich die Patientensicherheit“, so der Mediziner des UKM. „Zudem verkürzen sich die OP-Zeiten um ein Drittel, wir haben kleinere Narben und ein geringeres Infektionsrisiko.“

Die Idee für eine optimierte Wachstumshilfe hatte Prof. Dr. Robert Rödl bereits seit mehreren Jahren im Kopf, im vergangenen Jahr kam sie gemeinsam mit der Firma Merete Medical GmbH aus Berlin zur Umsetzung. Die Patent-Vertragsverhandlungen wurden von Clinic Invent unterstützt, dem Patent- und Verwertungsbüro der Medizinischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. „Die CE-Zulassung für den europäischen Markt wurde bereits erteilt“, sagt Dr. Marion Willenborg von Clinic Invent. „Das Genehmigungsverfahren für die USA ist derzeit bei der Zulassungsbehörde FDA im Gange, sodass das Implantat in absehbarer Zeit weltweit einsetzbar ist.“

Am UKM werden jährlich 120 Patienten mit X- und O-Beinen behandelt, rund 90 Prozent werden von dem neuen Implantat profitieren. Eine Behandlung erfolgt zum Ende der Wachstumsphase (Mädchen ca. 12 Jahre/Jungen ca. 14 Jahre), die Behandlungsdauer richtet sich nach dem Schweregrad (die Wachstumshilfe korrigiert etwa einen Grad pro Monat).

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