NHL-BFM Studiengruppe

Non-Hodgkin Lymphome (NHL) stellen die vierthäufigste Krebserkrankung im Kindesalter dar und sind in dieser Altersgruppe fast immer maligne (bösartig). Unter der Bezeichnung Non-Hodgkin Lymphome werden eine Vielzahl bösartiger Erkrankungen des lymphatischen Systems zusammengefasst. NHL werden auch als Lymphdrüsenkrebs bezeichnet und entstehen durch die Entartung von Vorläuferzellen der weißen Blutkörperchen, den sogenannten Lymphoblasten.  Sie breiten sich ausgehend von ihrem Ursprungsort schnell im ganzen Körper aus, befallen unterschiedliche Organe und Gewebe und führen unbehandelt zum Tod. Jährlich erkranken in Deutschland circa 160 Kinder an einem NHL.

Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung der Therapien im Rahmen von Studien kann der Großteil der Kinder und Jugendlichen mit NHL geheilt werden. Die Therapieoptimierungsstudien der NHL-BFM Gruppe (D, A, CH, CZ) und der französischen LMB Studien haben diese Entwicklung bisher geprägt. In diesen Studien werden unterschiedliche Behandlungsmöglichkeiten überprüft und miteinander verglichen, um die optimale Therapie für die Patienten zu ermitteln. Seit 1975 wurden acht NHL-BFM Therapiestudien durchgeführt, in denen zuletzt eine erkrankungsfreie Überlebens-Wahrscheinlichkeit von 80-85% für die Gesamtgruppe erreicht wurde. Allerdings ist die Therapie mit akuten Nebenwirkungen und Spätfolgen verbunden. Des Weiteren haben Patienten, die einen Rückfall ihrer Erkrankung erleiden, sehr schlechte Heilungsaussichten. Daher ist eine systematische Optimierung der Therapie bei NHL im Kindes- und Jugendalter im Rahmen von Therapieoptimierungsstudien nach wie vor dringend erforderlich.

Die Studienzentrale NHL-BFM (Berlin-Frankfurt-Münster) ist seit einem Wechsel der Studienleitung im November 2011 auf zwei Standorte aufgeteilt. Die neue Studiengruppenleitung mit Prof. Dr. Dr. Birgit Burkhardt (Münster) und PD Dr. Wilhelm Wößmann (Gießen) betreut die Patienten des neuen NHL-BFM Registers und arbeitet an der Umsetzung neuer Studien. Aktuell beteiligen sich aktuell circa 100 Studienkliniken in Deutschland, Österreich, Schweiz und Tschechien am NHL-BFM Register und den Studien. 

Wichtige Aufgaben für die NHL-BFM Studienzentrale sind die Erstellung und Durchführung neuer Studienprotokolle. Die Optimierung der bisher angewendeten Therapiepläne und der kontrollierte Einsatz neuer Medikamente sind Optionen, um die Nebenwirkungen und Langzeitfolgen der Therapie zu reduzieren und/ oder die Rate von Rückfällen zu minimieren. 

Die durch NHL-BFM Studien erhobenen klinischen Daten werden durch die Ergebnisse experimenteller, insbesondere molekulargenetischer Forschungsprojekte ergänzt. Hierfür wird, die Einwilligung der Patienten bzw. Sorgeberechtigten vorausgesetzt, das Lymphom-Material im Labor analysiert. Dieser Ansatz ist entscheidend, um die verschiedenen Untergruppen der Non-Hodgkin Lymphome mit all ihren Besonderheiten noch besser zu verstehen. Dadurch soll die Therapie noch besser an einzelne Unterformen dieser Tumoren angepasst und vor allem die ungünstigen Heilungschancen von Kindern mit Rückfällen verbessert werden. 

Aktuell werden von der NHL-BFM Studiengruppe in Münster folgende klinische Projekte durchgeführt:

  • Implementierung (Einführung, Umsetzung) der klinischen Studie „B-NHL 2013“: diese Studie wird in Kooperation mit der skandinavischen Studiengruppe NOPHO (Norwegen, Schweden, Dänemark, Finnland, Island) durchgeführt. Die internationale Leitung der klinischen Prüfung erfolgt durch beide Studiengruppen mit internationaler Koordination durch die NHL-BFM Studiengruppe. Im Zentrum dieser Studie steht der randomisierte Vergleich der Verabreichung von einer bzw. sieben Dosen Rituximab bei der Therapie reifer B-Zell Lymphome/Leukämien (B-NHL/B-AL). Das ereignisfreie Überleben und die Erholung des Immunsystems nach Ende der Therapie sind die Endpunkte der Studie. 
  • Erarbeitung eines internationalen Protokolls für die Studie „LBL 2014“. Die grundsätzliche Konzeption dieser Studie erfolgte durch die NHL-BFM Studienzentrale. Aktuell zeichnet sich eine breitere internationale Kooperation ab, für die ein entsprechender Konsens erarbeitet werden muss. Ziel der Studie ist eine prospektive Evaluation von möglichen prognostischen Parametern und damit eine Optimierung der Therapie der lymphoblastischen Lymphome. 
  • Fortführung des Registers „NHL-BFM Registry 2012“, in das bis zum Start der oben beschriebenen klinischen Studien in der NHL-BFM Gruppe alle neuen Patienten gemeldet werden und mit dessen Hilfe die hohe Qualität der Diagnostik und Therapie gesichert wird.