Klinik für Urologie und Kinderurologie

Minimalinvasive Operationstechnik mit dem modernen da Vinci®-Operationssystem

Das da Vinci®-Operationssystem stellt das derzeit modernste Verfahren auf dem Gebiet der minimalinvasiven Chirurgie dar. Der da Vinci®-Operationsroboter unterstützt den Chirurgen bei der Durchführung laparoskopischer Eingriffe („Schlüsselloch-Chirurgie"). Hierbei ist wichtig zu wissen, dass alle Bewegungen der Instrumentenarme des Roboters vom Chirurgen selbst ausgeführt und durch das System hochpräzise und zitterfrei übertragen werden. Selbständige Bewegungen führt das System nicht aus. Zudem befindet sich bei jeder Operation ein am OP-Tisch positionierter zweiter Chirurg, der den Operateur bei seiner Arbeit an der Konsole direkt am Patienten unterstützt.

Auf große Bauchschnitte kann aufgrund der „Schlüssellochtechnik" verzichtet werden, die für die Operation erforderlichen Instrumente können über nur knapp 1 cm große Zugänge eingebracht werden. Der Operateur hat durch die dreidimensionale Full-HD-Videokamera während des Eingriffs eine exzellente Sicht auf die feinen Strukturen innerhalb des Körpers.

Die Operation mit dem da Vinci®-Operationssystem kann somit hochpräzise unter idealen Sichtverhältnissen erfolgen. Vorteile für den Patienten sind ein geringer Blutverlust, sehr kleine Operationsnarben und wenig Schmerzen bei funktionell und onkologisch hervorragenden Ergebnissen.

Entsprechend unserem medizinischen Versorgungsauftrag sind an unserer Universitätsklinik in Münster auch bei der Anwendung des Da Vinci Systems alle Behandlungskosten sowohl durch die gesetzlichen als auch die privaten Krankenkassen vollständig gedeckt. Eine weitere Zuzahlung durch den Patienten selbst ist damit nicht notwendig. 

Die da Vinci®-Operationen

Die operative Entfernung der Prostata bei Prostatakrebs (Prostatektomie) ist heute die Operation, bei der das da Vinci®-Operationssystem am häufigsten zum Einsatz kommt. Daneben wird das System in der Urologie auch für Eingriffe an der Niere (Nierenbeckenplastik, organerhaltende Tumorentfernung an der Niere, Nierenentfernung, ggf. mit Entfernung des Harnleiters) und für die Entfernung der Harnblase eingesetzt.

Ablauf der da Vinci®-Prostatektomie

Zunächst erfolgt nach spezieller Lagerung, Desinfektion und Abdeckung des OP-Bereiches eine Füllung des Bauchraumes mit Kohlendioxid-Gas, das über eine dünne Kanüle oberhalb des Bauchnabels in den Körper eingebracht wird. Anschließend werden der Kamera- Trokar, die Arbeits- Trokare und die Assistenz -Trokare für den tischseitigen Chirurgen unter Sicht platziert. Zu Beginn der Operation werden die Beckenlymphknoten beidseits entfernt. Danach werden nun die Prostata und die Samenblasen freigelegt und die Prostata von der Harnblase getrennt. Danach erfolgt die Durchtrennung der blutgefäßtragenden Prostatapfeiler.

Anschließend erfolgt die Nervschonung zum Erhalt der Potenz, falls das Tumorstadium des Patienten dies aus onkologischer Sicht zulässt. Hierbei werden die feinen Gefäßnervenstränge, die dicht an der Prostatakapsel verlaufen, vorsichtig gelöst. Die Vergrößerung und dreidimensionale Darstellung des HD-Videosystems erlauben hierbei hervorragende Sichtverhältnisse, während die Bewegungen des Operateurs durch die Instrumentenarme vollkommen zitterfrei und hochpräzise von der Steuerkonsole auf die Instrumentenarme übertragen werden. Der Nerverhalt lässt sich somit unter besten Sichtverhältnissen sehr sorgfältig durchführen.

Im Anschluss an diesen Schritt wird die Prostata von der Harnröhre unter Erhalt des Schließmuskelsystems getrennt. Das Präparat wird zum Ende der Operation mit Hilfe eines Bergebeutels aus dem Körper entfernt.

Die neue Verbindung der Harnröhre mit der Harnblase (Anastomose) wird im Anschluss wasserdicht vernäht. Die postoperative Liegedauer des Harnblasenkatheters kann hierdurch entscheidend verkürzt werden.

Zuletzt wird die Robotikeinheit vom Patienten abgedockt, die Trokare werden entfernt und ggf. eine Wunddrainage eingebracht. Die kleinen Zugangswege werden anschließend per Naht verschlossen.

Vorteile für den Patienten

- Geringer Blutverlust
- Schnelle, schmerzarme Erholung nach der Operation
- Kurze Katheterverweildauer (ca. 5-6 Tage)
- Exakte Schonung des Gefäßnervenbündels bei potenzerhaltender Operation
- Gutes kosmetisches Ergebnis durch kleine Narben

 
 
 
 
 
 
   
 

Ihre Ansprechpartner

Direktor der Klinik
Univ.-Prof. Dr. med. Andres Jan Schrader
T 0251-83 47 44 1 

Oberarzt
Dr. med. Johannes Müller
T 0251-83 49 35 4

Die Steuerkonsole

Hier erhält der Operateur ein dreidimensionales Bild des Operationsfeldes und steuert über frei bewegliche Griffelemente die Bedieneinheit des Systems. Die Bewegungen der Hände des Operateurs werden präzise und zitterfrei an die Instrumentenarme übertragen. Der Operateur ist somit in der Lage, sehr feine Bewegungen völlig zitterfrei durchzuführen.

Die patientenseitige Robotikeinheit

Dieser Teil des da Vinci®-Operationssystems steht in direkter Verbindung zum Patienten und trägt die Operationsinstrumente sowie die Full-HD- Videokamera. Die Robotikeinheit setzt die Bewegungen des Operateus an der Steuerkonsole um. Die Instrumente werden über spezielle Trokare (Zugangshülsen) in den Körper des Patienten eingebracht und verfügen über multiple Gelenke und Freiheitsgrade. Sie ermöglichen somit eine exakte Übertragung der Handbewegungen des Chirurgen und damit eine genaue Präparation.