Pressemeldungen Archiv 2015

20.01.15ukm/mdr

Organspende rettete Anna Siepert vor 20 Jahren das Leben

Patientin wurde im Januar 1995 transplantiert und ist heute fitter denn je / UKM verzeichnet 500. Lebertransplantation – und unterstützt Studien zu alternativen Therapien

Auf Spurensuche: Anna Siepert und Prof. Dr. Hartmut Schmidt schauen sich auf der Station im UKM ein kleines Fotoalbum an, das den Klinikaufenthalt der heute 70-Jährigen dokumentiert.

Zwei kleine Tabletten morgens, zwei kleine Tabletten abends – das ist alles, was Anna Siepert an ihre Lebertransplantation erinnert. Dabei war die Situation für sie vor 20 Jahren lebensbedrohlich: Zwar konnten starke Blutungen im Bauchraum nach einem Sturz zuerst gestoppt werden, führten aber wenige Tage später zu akutem Leberversagen. Im Januar 1995 erhielt die damals 50-Jährige am UKM (Universitätsklinikum Münster) ein neues Organ. Mittlerweile wurde eine Vielzahl mehr an Patienten in Münster transplantiert; erst vor wenigen Tagen erfolgte die 500. Lebertransplantation seit Beginn des Programms 1989.

Bei Anna Siepert bestimmt dieser oft zitierte zweite Geburtstag aber längst nicht mehr ihr Leben. „Anfangs waren da schon Ängste, ob das gut geht und wie mein Körper mit einem fremden Organ umgeht, denn durchleben wollte ich diese Strapazen kein zweites Mal“, erzählt die 70 Jahre alte Rentnerin. „Aber mir ging es schnell wieder so gut, dass das Thema dann in den Hintergrund getreten ist.“ Kein einziges Mal gab es schlechte Werte bei den Kontrolluntersuchungen in Münster, die mittlerweile nur noch einmal im Jahr notwendig sind. Das alles spricht für zwei Indikatoren: Anna Siepert war damals, abgesehen von der Akutsituation, in einem guten gesundheitlichen Zustand und die Qualität des Spenderorgans – das sagen die Mediziner rückwirkend – stimmte.

Seitdem hat sich viel getan in der Medizin. „Wir sind gerade in einem Umbruch“, sagt Prof. Dr. Hartmut Schmidt, Direktor der am UKM. Damit spricht er nicht nur die rückläufigen Spenderzahlen an, sondern vor allem die alternativen Therapien. „Wir können heute bereits einige Patienten – zum Beispiel mit Hepatitis C – medikamentös so gut versorgen, dass eine Transplantation nicht mehr notwendig ist.“ Der Mediziner ist optimistisch, dass solche Möglichkeiten mittelfristig auch für Patienten mit anderen Erkrankungen zur Verfügung stehen. „Dennoch werden nach wie vor dringend Organspenden für all jene benötigt, deren Leben von einer Transplantation abhängt“, so Schmidt, der mit Sorgenfalten auf die aktuellen Zahlen schaut: 29 Lebern wurden am UKM im vergangenen Jahr transplantiert, 2009 waren es noch 51. Allein in Münster warten aktuell 123 Patienten auf ein solches Organ, bundesweit sind es 1351 (Stichtag 31.12.2014).

Für Anna Siepert sind viele der Diskussionen nicht nachvollziehbar. „Mehr als tot sein geht nicht. Was soll das dann, darüber nachzudenken, nicht zu helfen.“ Überzeugungsarbeit musste sie weder bei der Familie noch bei ihren Freunden leisten. „Bei mir im Umfeld haben durch meine Geschichte alle einen Organspendeausweis. Und das ist auch gut so!“

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