Klinik für Urologie und Kinderurologie

Die Thulium-Laser-Enukleation der Prostata

Die Thulium-Laser-Enukleation der Prostata (ThuLEP) gehört zu den minimalinvasiven transurethralen Operationsverfahren (d. h. durch endoskopische Spiegelung durch die Harnröhre), zu denen auch die klassische transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P) mit der heißen Schlinge oder verschiedene lediglich Gewebe „verdampfende“ OP-Techniken zählen (Laservaporisation, TURIS, etc.).

Bei der ThuLEP hingegen wird im Normalfall die gesamte vergrößerte Prostatainnendrüse, die für die obstruktiven Beschwerden beim Wasserlassen (verzögertes Wasserlassen, verminderter Harnstrahl, verlängerte Zeit für das Wasserlassen, Restharnbildung, Überlaufblase, Harnverhaltung) verantwortlich ist, minimalinvasiv entfernt.

Bei der Operation werden die drei Prostatalappen einzeln von der Prostatakapsel ausgelöst und in der Harnblase vorübergehend positioniert. Von dort werden Sie dann mit Hilfe eines Morcellators (Gewebezerkleinerer) abgesaugt und für die feingewebliche Untersuchung asserviert, so dass das gesamte entfernte Gewebe und damit die gesamte Prostatainnendrüse untersucht werden kann. Wird die Innendrüse der Prostata vollständig entfernt, so ist ein erneutes Wachstum von Rest-Prostatagewebe der Innendrüse sowie ein Rezidiv (Wiederkehr des Beschwerdebildes) im Gegensatz zu Verfahren, bei denen nur ein Teil der Prostatainnendrüse entfernt wird (TUR-P, Laser-Vaporisation der Prostata, TURIS, etc.), extrem unwahrscheinlich.

Die für die Erektion notwenigen Nerven, die außen auf der Prostatakapsel entlanglaufen, werden in der Regel während des Eingriffes gar nicht tangiert. Zu ihrer Schonung sowie dem Schutz des unmittelbar unterhalb der Prostata verlaufenden Schließmuskels tragen ferner die optimalen Sichtverhältnisse während der Operation sowie die geringe Eindringtiefe des Laserstrahls bei (ca. 250 µm). Die optimierte Wellenlänge des Thulium-Lasers von 1,9µm ist durch ihre hohe Absorption in Wasser optimal für hämostatisches Schneiden und verhindert ferner akzidentelle Laserschäden z.B. an der hinteren Blasenwand.

Die Operation orientiert sich an der früher durch einen offenen Schnitt häufig durchgeführten Adenomenukleation, bei der ebenfalls die Mobilisation der Prostatainnendrüse rein mechanisch erfolgte. Im Gegensatz zu dieser kann die ThuLEP minimalinvasiv durch die Harnröhre durchgeführt werden. Der Blutverlust ist im Gegensatz zur klassischen Adenomenukleation meist zu vernachlässigen. Blutungen werden unter Sicht sofort mit dem Laser gestillt.

Nach der Operation wird der Harnweg für einen kurzen Zeitraum mit Hilfe eines transurethralen Ballonkatheters geschient und über diesen Katheter die Harnblase gespült. Nach Entfernung des Katheters, die meist nach 2 - 3 Tagen erfolgt, ist die innerliche Wundheilung noch nicht abgeschlossen. Der Urin kommt nun in Kontakt mit der Entnahmestelle der Innendrüse im Prostatabett. Dies kann vorübergehend und selten bis zum vollständigen Abheilen der Wundfläche nach 4 bis 8 Wochen zu Reizsymptomen wie häufigerem und plötzlichem Harndrang führen. Auch das Risiko für das Auftreten von Harnwegsinfektionen ist in dieser Zeit erhöht; deshalb sollten in den ersten Wochen nach der Operation regelmäßig Urinkontrollen erfolgen. Die obstruktiven Symptome sind meist unmittelbar nach Entfernung des Dauerkatheters verschwunden.
Ein Risiko des OP-Erfolges ist ein bereits irreversibel vorgeschädigter Blasenmuskel, der bei zu später Indikationsstellung der Operation vorkommen kann.

Die ThuLEP ist eine technisch hoch anspruchsvolle Operation. In erfahrenen Händen ist es aber ein sehr sicherer und hocheffizienter minimalinvasiver Eingriff mit multiplen Vorteilen für Patienten, die an einer behandlungsbedürftigen Prostatavergrößerung leiden.

 
 
 
 
 
 
   
 

Kontakt

Sollten Sie sich für diese Operationsmethode interessieren, so sprechen Sie uns bitte an.

Univ.-Prof. Dr. med. Andres Jan Schrader

Prof. Dr. med. Edwin Herrmann

Dr. med. Armin Secker

Terminvergabe:
T +49 (0) 251-83 44 60 0

Vorteile ThuLEP

  • Durchführbarkeit nahezu unabhängig von der Prostatagröße (im Gegensatz zur Laservaporisation oder TUR-Prostata)
  • kürzerer Krankenhausaufenthalt (ca. 2 - 3 Tage, bei der offenen Adenomenukleation ca. 1 - 2 Wochen)
  • minimalinvasive, schonende, postoperativ zumeist nahezu bis komplett schmerzfreie Operation (im Gegensatz zur offen chirurgischen Adenomenukleation)
  • geringerer bis vernachlässigbarer Blutverlust
  • geringe Gefahr der Verletzung umgebender Strukturen (Schließmuskel, Nerven für die Erektion)
  • geringe Rezidivgefahr
  • ASS 100 muss vor dem Eingriff nicht abgesetzt werden
  • Alternative zur lebenslangen Einnahme von Medikamenten zur Behandlung der Prostatahyperplasie und ihrer Folgen