Pressemeldungen Archiv 2016

07.09.16ukm/aw

Welt-Suizid-Präventionstag (10. September 2016): Unerkannte Männer-Depression und ihre Folgen

Suizid bei Männern drei Mal häufiger als bei Frauen / Ursache oft nicht diagnostizierte Depressionen

Prof. Dr. Dr. med. Bettina Pfleiderer hat mit ihrem Team Informationen zu Geschlecht und Medizin in der Austauschplattform GenderMed-Wiki zusammengetragen – so auch die Geschlechterunterschiede bei Depression.

Es sind nüchterne Zahlen, hinter denen traurige Einzelschicksale stehen: Rein statistisch gesehen nehmen sich in Deutschland in jedem Jahr 11.000 bis 12.000 Menschen das Leben. Doch bei näherem Hinsehen, wer den Suizid für sich als letzten Ausweg wählt, wird schnell die Tatsache offenbar, dass Männer drei Mal häufiger als Frauen freiwillig aus dem Leben scheiden.

Prof. Dr. Dr. med. Bettina Pfleiderer vom Institut für Klinische Radiologie am UKM (Universitätsklinik Münster) forscht mit ihrer Arbeitsgruppe Cognition & Gender zum Einfluss des Geschlechts in der Medizin. Sie entwickelt derzeit mit ihrem Team eine offene Austausch- und Wissensplattform zu Themen rund um Geschlecht und Medizin (GenderMed-Wiki), die diesen Herbst an den Start gehen soll. „Bei rund 70 Prozent aller Suizide liegt in der Ursache eine Depression vor – das betrifft Frauen wie Männer gleichermaßen“, sagt Pfleiderer. „Der Unterschied ist, dass bei Frauen Depressionen viel häufiger diagnostiziert werden. Bei Männern ist die Medizin häufig noch weitgehend ‚depressionsblind‘. Um dem entgegenzuwirken, ist es wichtig, zu wissen, dass Depressionen bei Männern und Frauen unterschiedlich aussehen können. GenderMed-Wiki möchte auch in punkto Depression für diese Unterschiede zwischen den Geschlechtern sensibilisieren.“

So übersehen Ärztinnen und Ärzte die Symptome von Depression bei Männern deshalb häufig, weil ihre Patienten einen „typisch männlichen Kommunikationsstil“ pflegen. Psychische und psychosomatische Symptome werden entweder nicht genannt oder falsch gedeutet. „Es fällt Männern schwerer als Frauen, über Gefühle und Stimmungen zu sprechen.“, so Pfleiderer, „Zudem verdrängen Männer oder bagatellisieren ihre Beschwerden und führen sie oft auf momentanen Stress oder berufliche Belastung zurück.“
 
Männer reagieren bei einer Depression auch eher aggressiv und risikofreudig und greifen öfter zu Alkohol und Drogen. „Dadurch werden besonders zu Beginn häufig die ‚klassischen‘ Symptome wie Selbstwertverlust, Antriebslosigkeit oder Verlust an Freude überdeckt“, weiß Pfleiderer. „Nicht zuletzt deswegen bleiben Depressionen bei Männern häufig unerkannt.“

Experten in der Gendermedizin wie Prof. Dr. Dr. Betina Pfleiderer halten es für sehr wichtig, die Depression von ihrem Image als Frauenkrankheit zu lösen. Außerdem sei ein generelles Umdenken in der Gesellschaft nötig, um die gesellschaftliche Akzeptanz psychischer Krankheiten bei Männern selbst zu erhöhen. Nur so könne sich das Hilfesuchverhalten des betroffenen vermeintlich „starken Geschlechts“ in diesem Punkt erhöhen.

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