Pressemeldungen Archiv 2016

28.10.16ukm/aw

Neues Leben dank Hirnschrittmacher: Tiefe Hirnstimulation hilft Parkinson-Patientin

Neurochirurgischer Eingriff kann bei verschiedenen Krankheitsbildern Symptome lindern / Verfeinerung der Methode in den vergangenen Jahren

Dr. Nils Warneke (Neurochirurg), Dr. Tobias Warnecke (Neurologe) und Patientin Dagmar Mende sind ein gutes Team.

Heike Verwolt arbeitet als „Parkinson-Schwester“ am UKM und überprüft die Funktion des Hirnschrittmachers von Dagmar Mende alle drei Monate.

Dagmar Mende kann das Leben wieder genießen. Die 51 Jahre alte Parkinson-Patientin kämpft seit 2003 mit ihrer Erkrankung und hat sich im vergangenen Jahr einem neurologischen operativen Eingriff unterzogen. Bei der Tiefen Hirnstimulation (THS) werden Elektroden ins Gehirn eingebracht, die von dort mittels eines unter die Haut implantierten externen Schrittmachers elektrische Impulse aussenden. Vorgenommen hat die Operation Dr. Nils Warneke, Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am UKM (Universitätsklinikum Münster). Für die neurologischen Voruntersuchungen und die Expertise während der OP stand ihm Oberarzt Priv.-Doz. Dr. Tobias Warnecke aus der Klinik für Neurologie zur Seite. Beide Fachdisziplinen arbeiten für ein optimales Ergebnis in allen Phasen eng zusammen. „Ich habe natürlich lange überlegt, ob ich mich einem so schweren Eingriff wirklich unterziehen will, aber beide Ärzte haben mir Mut gemacht, dass die OP für mich eine große Erleichterung bringen könnte“, so die 51-jährige Mende. „Jetzt ist es tatsächlich so, dass ich kaum noch Medikamente brauche. Mein ‚Einfrieren‘ in den Bewegungen ist weg. Auch mein Fuß zittert nicht mehr.“

Die für das klinische Erscheinungsbild der Parkinson-Krankheit typischen Symptome wie Rigor (Muskelstarre) und Tremor (Muskelzittern) können durch den neuen Schrittmacher im Hirn weitgehend gemildert werden. Nicht nur bei Parkinson, Tremor oder Dystonie (Muskelverkrampfung) kann die THS helfen, auch bei Epilepsie kann ein Hirnschrittmacher Symptome lindern. „Allerdings kommt nicht jeder Patient dafür in Frage“, schränken die Ärzte ein. „Die geistige Leistungsfähigkeit des Patienten muss gegeben sein, außerdem stellen wir zunächst unter anderem durch eine MRT-Aufnahme sicher, dass in seinem Gehirn auch tatsächlich ein Zugang zum betreffenden Areal möglich ist“, so Dr. Nils Warneke. Und sein Kollege Dr. Tobias Warnecke ergänzt: „Auch während der Operation - die wir am wachen Patienten vornehmen - werden noch umfangreiche Tests durchgeführt, wie sich die elektrischen Impulse auf dessen Krankheitssymptome auswirken. So stellen wir die Funktion des Systems auf den bestmöglichen Zustand ein.“ Dagmar Mende kann sich noch gut an diesen Effekt erinnern: “Ich musste vor der Operation meine Medikamente absetzen, so dass mein Fuß vorher enorm gezittert hat. Während der Operation wurde das System so eingestellt, dass der Fuß dabei ganz ruhig wurde.“

Während bei ihr vor der OP Medikamente kaum noch eine Wirkung hatten, heute muss die Mutter zweier Kinder heute fast keine Tabletten mehr schlucken und nur noch alle drei Monate zur Nachsorge. „In der Tiefen Hirnstimulation liegt die Zukunft solcher Patienten“, sagt der Chirurg Warneke. „Wir haben bei der Methode in den vergangenen Jahren enorme Fortschritte gemacht. Wir können die Lebensqualität der Patienten enorm steigern und ihr Leben weitgehend normalisieren – auch wenn wir das Fortschreiten ihrer Erkrankung natürlich nicht aufhalten können.“

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