Pressemeldungen Archiv 2016

15.11.16ukm/aw

Weniger Antibiotika bei Parodontitis

Parodontologen am UKM reduzieren Antibiotika-Einsatz um 80 Prozent / Eine der weltweit größten Studien der Zahnheilkunde ergibt: Antibiotika nur in schweren Fällen

Resistenzen gegen Antibiotika sind ein wachsendes Problem. Sie werden vor allem dadurch begünstigt, dass Antibiotika manchmal ohne zu zögern verordnet werden, ohne Alternativen zu erwägen. Auch gegen Parodontitis setzen Zahnärzte bisher häufig Antibiotika ein. Denn ihr Nutzen ist nachweisbar – je schwerer die Parodontitis beim Patienten ist, desto eher profitiert er von der medikamentösen Behandlung. Über 2.000 Studien zum Thema gibt es weltweit - die meisten kommen zu dem Schluss, dass der Antibiotika-Einsatz effektiv ist.

Prof. Dr. med. dent. Benjamin Ehmke und das Team der Poliklinik für Parodontologie und Zahnerhaltung am UKM (Universitätsklinik Münster) sowie sieben weiterere Universitätszahnkliniken waren trotzdem skeptisch: „Es ist richtig, dass Antibiotika kurzfristig zu einer Besserung der Zahnfleischentzündung führen. Die für Parodontitis typischen Zahnfleischtaschen sind direkt nach einer Behandlung mit anschließender antibiotischer Medikation messbar weniger tief“, so Ehmke. „Wir wollten aber wissen, ob der Patient auf lange Sicht deshalb auch tatsächlich länger seine Zähne behält: Das ist nach unserer Studie eindeutig nicht so.“

Um diese Frage zu klären, hat Ehmke eine der weltweit größten Studien der Zahnheilkunde überhaupt initiiert. Dafür wurden seit 2008 rund 500  Patienten beobachtet. Die eine Hälfte bekam eine Therapie mit Antibiotika, die andere Hälfte bekam ein Placebo. Tatsächlich war der für den Verlauf der Parodontitis typische Gewebsverlust und Knochenschwund bei Patienten ohne Antibiotikum schwerwiegender als bei denen, die herkömmlich behandelt wurden. Allerdings lag die langfristige Erfolgsquote nur zwei Prozent höher, so dass sie nach Ansicht der UKM-Forscher – über das gesamte Lebensalter des Menschen gesehen – klinisch nicht relevant ist.
Im Klartext: Ab einem Alter von etwa Mitte 50 macht die Gabe von Antibiotika nur dann einen Sinn, wenn es sich um besonders schwere Fälle der Zahnfleischentzündung handelt. Menschen, die bis zu diesem Alter aber einen vergleichsweise „normalen“ Verlauf der Erkrankung haben, kann man  Antibiotika ersparen. „Im Prinzip ist die Parodontitis eine Erkrankung, die jeden im Laufe seines Lebens je nach Disposition mehr oder weniger trifft. Mundhygiene und prophylaktische Maßnahmen können den Schweregrad der Entzündung sehr stark beeinflussen – weshalb Menschen heute vergleichsweise später eine Parodontitis bekommen als ihre Vorfahren. Für Menschen mittleren Alters mit einem ‚normalen‘ Krankheitsbild reicht daher meist eine Behandlung ohne Antibiotika aus“.

Nach Meinung Ehmkes sollte die Zahnmedizin deshalb von der bisher befundorientierten zu einer künftig eher dem individuellen Alter angepassten Therapie übergehen: „Ausnahmen bleiben schwere Verläufe und aggressive Verlaufsformen, bei denen Antibiotika nach wie vor in jedem Fall das Mittel der Wahl darstellen“.

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