Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie

Ösophagus (Speiseröhre)

Erkrankungen der Speiseröhre sind an unserer Klinik seit langer Zeit ein besonderer Schwerpunkt. Dazu zählen neben den gutartigen Erkrankungen (insbesondere Zenker-Divertikel, Achalasie, Refluxkrankheit) auch die Behandlung gut- und insbesondere bösartiger Tumore der Speiseröhre (Speiseröhrenkrebs) sowie die Therapie akut lebensbedrohlicher Zustände wie z.B. Boerhaave- oder Mallory-Weiss-Syndrom.

In der chirurgischen Therapie des Ösophaguskarzinoms sehen wir die abdomino-thorakale Ösophago-Kardia-Resektion mit ihren jeweils erforderlichen Erweiterungen unter radikaler Zweifeld-Lymphadenektomie als Standardeingriff an. Des Weiteren gehört die transhiatale Resektion, auch mit Zwischenschalten eines Dünndarminterponates (Merendino-OP), zu unserem Repertoire.

Die Präzisierung der präoperativen Diagnostik durch innovative Untersuchungstechniken, wie das in unserem Klinikum vorhandene PET-CT, erlaubt beim Ösophaguskarzinom eine zunehmende Individualisierung des Behandlungskonzeptes in Abhängigkeit von der Primärtumorlokalisation und –ausdehnung. Dieses schließt neben der primären Operation auch multimodale Behandlungsstrategien wie die neoadjuvante Strahlen-/Chemotherapie ein, welche im Rahmen von Studien geprüft wird. Das perioperative Management, insbesondere der abdomino-thorakal resezierenden Verfahren, stellt bei den häufig polymorbiden Patienten eine eigenständige Herausforderung dar. Durch eine chirurgisch betreute Intensivobservation und eine exzellente Kooperation mit der anästhesiologisch geführten Intensivstation liegt die Mortalität unter 2%. Bei lokaler oder funktioneller Inoperabilität stehen neue chirurgisch-endoskopische Verfahren, ggf. in Kombination mit einer lokalen Strahlen- oder Lasertherapie zur Verfügung.

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein ringförmiger Muskel, ausgekleidet mit Schleimhaut, der den Rachenraum mit dem Magen verbindet. Patienten mit Erkrankungen der Speiseröhre können in der Regel nicht mehr richtig schlucken. Manchmal kommt es auch zu Aufstoßen, Schluckschmerzen oder Brennen hinter dem Brustbein.

Generell gilt: Schluckstörungen sind ein Alarmsignal und sollten unbedingt durch einen Spezialisten abgeklärt werden.

Refluxkrankheit

Die Ursache der Refluxkrankheit ist ein schwacher oder bewegungsgestörter unterer „Schließmuskel“ der Speiseröhre. Dadurch kommt es zum Zurücklaufen von Magensäure oder Galle in die Speiseröhre, wodurch Schmerzen entstehen können. Dauert die Refluxkrankeit lange an, können Gesundheitsprobleme wie Speiseröhrenentzündungen, Engstellungen der Speiseröhre oder sogar Speiseröhrenkrebs auftreten. Die Schleimhaut der Speiseröhre kann sich verändern (Barrett-Schleimhaut) und in dieser können Krebsvorstufen entstehen. Man kann die Refluxkrankheit häufig mit Medikamenten gut behandeln, gelegentlich muss aber auch operiert werden. Dann bieten wir eine sogenannte „Fundoplikatio“, durchgeführt mittels 'Schlüsselloch'-Chirurgie, an.

Wandausstülpung der Speiseröhre (Divertikel)

Besonders bei älteren Patienten kommt es manchmal zu Wandaustülpungen im Bereich der oberen Speiseröhre (Zenker-Divertikel). Patienten bemerken Schluckstörungen oder Aufstoßen mit Hochwürgen von unverdauter Nahrung. Medikamente helfen hier wenig, das ist ein mechanisches Problem. Wir behandeln diese Erkrankung durch Entfernung des Divertikels mittels eines Schnittes am Hals. Der stationäre Aufenthalt beträgt hierbei normalerweise zwischen 5 und 7 Tagen.

Speiseröhrenkrebs

Patienten mit Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) benötigen eine besonders ausgefeilte Spezialbehandlung und ggf. auch eine Operation zur Entfernung des Tumors. Die zeitliche Abfolge der Behandlungsschritte ist von großer Bedeutung. Nur ganz frühe Karzinome, die auf die oberste Schleimhautschicht der Speiseröhre beschränkt sind, können gelegentlich über eine Speiseröhrenspiegelung ohne Operation abgetragen werden. Der Speiseröhrenkrebs ist besonders gefährlich, weill er sich relativ frühzeitig im Körper weiterverbreiten kann und zu Tochtergeschwülsten (Metastasen) führt.

In der Regel kommt daher zur Behandlung des Speiseröhrenkrebses eine Vorbehandlung (je nach Art des Tumors: Strahlen und/oder Chemotherapie) mit anschließender Operation zur Anwendung. Die Vorbehandlung dient zur „Schrumpfung“ der Tumors, er wird damit sicherer entfernbar und die Langzeitresultate sind bei bestimmten Patienten dann besser. Wir können heute den Erfolg der Vorbehandlung durch Spezialuntersuchungen (PET-CT) frühzeitig erkennen und Patienten, die nicht gut ansprechen, aus der Behandlung herausnehmen und sie schneller einer Operation zuführen.

Die Entfernung des Tumors durch Operation ist in der Regel ein großer Eingriff, bei dem sowohl der rechte Brustkorb als auch der Bauchraum eröffnet werden. Entfernt werden ein Teil der Speiseröhre und der umgebenden Lymphknoten, die Wiederherstellung der Nahrungspassage erfolgt durch Zwischenschalten eines Magen- oder Darmanteils. Wir führen diese Operationen an unserer Klinik häufig (50 Eingriffe/Jahr) durch.

Neuerdings bieten wir bei bestimmten Tumoren auch eine limitierte, weniger eingreifende Entfernung des Tumors mit Zwischenschalten von Dünndarm an (OP nach Merendino). Für diese Operation muss der Brustkorb des Patienten nicht eröffnet werden. Wenn eine Operation nicht möglich oder sinnvoll ist, sind weitere Behandlungsmöglichkeiten verfügbar. Dazu gehört das Einsetzen von beschichteten Hohlkörpern (Stents) über Speiseröhrenspiegelung oder der Einsatz von Lasertherapie.

 
 
 
 
 
 
   
 

Sprechstunde


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