14.07.17ukm/aw

Kleines Wunder: Mutter und Baby Mahdi gesund nach Lebertransplantation in der Schwangerschaft

Lebertransplantation bei weltweit einer der frühesten Schwangerschaften / Mutter und Kind der siebenköpfigen Flüchtlingsfamilie wohlauf

Dr. Christian Wilms (links) und Prof. Daniel Palmes (rechts) freuen sich mit Mutter Chnar Mustafa und Bruder Mohammad über das kleine Wunder Mahdi.

Es ist ein bewegtes Leben, das Familie Mohammad aus dem Irak in den letzten beiden Jahren geführt hat: Die Eltern und ihre fünf minderjährigen Kinder mussten monatelang die Strapazen einer dramatischen Flucht über die Türkei und Südosteuropa auf sich nehmen, bevor sie glücklich und wohlbehalten im niedersächsischen Lienen aufgenommen wurden. Dort stellten sie einen Asylantrag und integrierten sich gut. „Es könnte nicht besser sein“, ist das, was der inzwischen 19 Jahre alte Mohammad über die Lebensverhältnisse in seiner neuen Heimat sagt. Doch das kurze Glück währte nicht lange: Ende Oktober wurde seine Mutter Chnar Mustafa ganz plötzlich mit heftigen Oberbauchschmerzen und schlechten Leberwerten ans UKM (Universitätsklinikum Münster) überwiesen. Die Diagnose: akutes Leberversagen. Außerdem noch eine Überraschung: Chnar Mustafa war – ohne es zu wissen – schwanger in der neunten Woche! „Was eigentlich ein Grund zur Freude gewesen wäre, war nun doppelter Anlass zur Sorge“, so Dr. Christian Wilms, Oberarzt der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM. „Die Patientin wurde am Freitag eingeliefert, Sonntag hatte sich ihr Zustand so sehr verschlechtert, dass sie am Folgetag mit höchster Dringlichkeitsstufe (high urgency) auf der Warteliste bei Eurotransplant angemeldet werden musste. Als dann schon am Dienstag mit viel Glück ein passendes Organangebot da war, mussten wir uns entschieden, ob wir tatsächlich operieren. Selten hatte ich so große Bedenken. Ich hatte eine fast schlaflose Nacht“, gibt er unumwunden zu. „Schließlich ging es bei dieser Operation um zwei Leben und nicht um eines“, ergänzt Prof. Daniel Palmes, Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie. „Zwar war klar, dass das Leben der Mutter Vorrang haben musste, aber wir wollten natürlich auch ihrer Bitte, das Leben ihres Kindes zu schützen, gerecht werden.“

Einen Tag später operierte Palmes die 44-jährige Patientin. „Die Transplantation dauerte wegen des noch guten Allgemeinzustands von Frau Mustafa nur dreieinhalb Stunden. So plötzlich wie das fulminante Leberversagen kam, besserte sich mit dem neuen Organ sofort ihr Zustand. Und das Beste: Auch der Embryo überstand den Eingriff unbeschadet.“ Seit der Transplantation muss Chnar Mustafa Immunsuppressiva einnehmen – für das Kind in ihrem Bauch natürlich ein weiteres Risiko. Ein einzelner Versuch des Körpers, die Leber abzustoßen, konnte rechtzeitig durch eine gezielte Gabe der Medikamente verhindert werden. Ansonsten verlief die Schwangerschaft ohne Komplikationen. In der 34. Woche hatte der ungeborene Junge es dann doch eilig: Mahdi wurde per Kaiserschnitt geholt – bei einem Geburtsgewicht von nur rund 1.600 Gramm.  

Weltweit sind bisher nur rund zwanzig Fälle von Lebertransplantationen bei Schwangeren beschrieben. Der kleine Mahdi dürfte das glückliche Ergebnis der jüngsten erhaltenen Schwangerschaft trotz dieser risikoreichen OP sein, glauben die Ärzte am UKM. Heute, mit sieben Wochen, ist er noch ein wenig in der Entwicklung zurück, aber gesund. Mit seinen Eltern und fünf Geschwistern lebt er in Lienen. „Der Zustand seiner Mutter muss nach der Transplantation natürlich regelmäßig in unserer Transplantationsambulanz kontrolliert werden. Aber wir sind hoffnungsfroh, dass sich Frau Mustafa viele Jahre guter Gesundheit erfreut und wir freuen uns, dass Mahdi bei uns ist“, so Wilms. Die Aussichten, dass Familie Mohammad in Deutschland bleiben kann,  sind deshalb gut. „Es ist alles wie ein kleines Wunder“, sagt Mahdis Bruder Mohammad.

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