21.07.17ukm/ks

Hoffnung für Hepatitis-Erkrankte: Bessere Früherkennung und optimierte Therapien helfen

Interview mit UKM-Experte Prof. Hartmut Schmidt anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages 2017 (28. Juli 2017)

Direktor der Klinik für Transplantationsmedizin Prof. Hartmut Schmidt

Aktuellen Schätzungen zufolge leben weltweit mehr als 300 Millionen Menschen mit Hepatitis B oder C. Anlässlich des Welt-Hepatitis-Tages (28. Juli 2017) spricht der Direktor der Kli-nik für Transplantationsmedizin am UKM (Universitätsklinikum Münster) Prof. Hartmut Schmidt über die Eindämmung der Virusinfektion und die richtigen Therapien für Betroffene.

Was genau ist Hepatitis und wie kann ich mich damit infizieren?

Bei einer Hepatitis handelt es sich um eine entzündliche Reaktion der Leber, die man an erhöhten Leberwerten erkennt. Dafür gibt es verschiedene Ursachen: Neben Medikamenten, erhöhtem Alkoholkonsum und angeborenen Stoffwechselerkrankungen können unter anderem auch virale Infektionen der Leber eine Hepatitis verursachen. Hier stehen die Hepatitis B, C und E im Vordergrund. Hepatitis A kommt in Deutschland nur sehr selten vor: Eigentlich bringen Erkrankte diese Art von Hepatitis nur von Reisen mit. Hepatitis A kann auch ohne Symptome ausheilen, nur in seltensten Fällen kommt es zu einem akuten Leberversagen. Ähnlich ist es mit der Hepatitis E, die aber auch wie die Hepatitis B und die Hepatitis C chronisch verlaufen kann. Die Hepatitis D benötigt für ihre Vermehrung beim Menschen eine zusätzliche Infektion mit dem Hepatitis B Virus. Schwere Verläufe der Erkrankung zeichnen sich meist durch Gelbfärbung der Augen, gegebenenfalls auch der gesamten Haut, aus.

Was ist der Unterschied zwischen Hepatitis A, B und C?
Die Hepatitis A ist infolge der hygienischen Maßnahmen in Deutschland glücklicherweise nahezu nicht mehr existent. Der Übertragungsweg ist fäkal-oral, das heißt, der Virus kann durch verunreinigten Stuhl über den Mund aufgenommen werden und die Leber infizieren. Die Hepatitis B und C werden mit dem Blut übertragen und können bereits mit kleinsten Blutmengen zu einer Infektion führen. In den 80er Jahren war die Hepatitis C noch nicht bekannt. Deshalb wurde im Rahmen von Blutübertragungen oder bei der Gabe von Blutprodukten (zum Beispiel Gerinnungsfaktoren) und der Verwendung nicht steriler Punktionskanülen (zum Beispiel auch bei Dialysepatienten) die Hepatitis C vermehrt übertragen. Die Identifizierung des Hepatitis C Virus 1989 führte dann zu immer besseren Nachweismethoden, so dass die Infektionsübertragungen – ähnlich wie bei der Hepatitis B seit Anfang der 90er Jahre in Deutschland sehr selten geworden sind.

Welche Symptome zeigen sich bei den Betroffenen?
Sowohl die Hepatitis B als auch die Hepatitis C zeichnen sich meist durch chronische Verläufe aus, die dann über Jahre oder Jahrzehnte zu Leberzirrhose führen. Das erhöht wiederum die Gefahr, an Leberkrebs zu erkranken oder sogar an Komplikationen wie Bauchwasser, Entzündungen oder Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt zu sterben. Da eine chronische Lebererkrankung meist kaum bemerkt wird und erst klarere Symptome aufweist, wenn 70 Prozent der Leber bereits geschädigt sind, wird auch heute die Diagnose oft erst sehr spät gestellt.
Allerdings gibt es durchaus einen positiven Trend: Die Leberwerte werden heut-zutage durchaus häufiger kontrolliert. Außerdem werden durch Ultraschalluntersuchungen der Bauchorgane Schäden schneller erkannt. Wie bei fast allen chronischen Erkrankungen gilt: Je früher die Erkennung einer Hepatitis, desto eher kann die Ursache geklärt werden und dann durch teils exzellente therapeutische Möglichkeiten sogar geheilt oder doch zumindest der Krankheitsverlauf günstiger beeinflusst werden.

Welche Therapien gibt es und wie sind die Heilungschancen?
Während die Hepatitis A und E meist spontan ausheilen, stehen für die Therapie der Hepatitis C verschiedene therapeutische Optionen zur Verfügung – mit Heilungsraten teils weit über 90 Prozent. Auch bei der Therapie der Hepatitis B hat sich etwas getan: Bereits jetzt können wir in den meisten Fällen die Vermehrung des Hepatitis B Virus stoppen, jedoch sind die Ausheilungsraten noch relativ gering. Neuere Präparate lassen aber hoffen, dass auch hier in Kürze noch bessere therapeutische Möglichkeiten zur Verfügung stehen.

Die WHO gibt das Ziel vor, die Infektionen bis 2030 drastisch einzu-dämmen. Ist die Medizin da auf einem guten Weg?
Das Ziel der WHO ist realistisch, zumindest haben wir die effektiven Therapien, dieses zu ermöglichen. Es bleibt die Frage, inwieweit wir alle Patienten diagnostizieren und dann auch einer Therapie zuführen können. Dieses kann je nach den Medikamentenpreisen in bestimmten Regionen der Welt an Grenzen stoßen. Wichtig bleiben aber auch die Bemühungen, Impfungen nicht nur für Hepatitis A und Hepatitis B zu ermöglichen, sondern gegen alle Virushepatitiden.

Warum ist es bislang nicht gelungen, diese Krankheit zu stoppen?
Die unterschiedlichen Viren haben mittels teils sehr raffinierter Prozesse Strategien entwickelt, die Leberzelle zu infizieren. Diese mussten wir Experten erst einmal verstehen, um die Infektion mit Medikamenten bekämpfen zu können. Erst ein „Zellmodell“ für Hepatitis C ermöglichte es, neue Therapiestrategien einfach und im großen Umfang testen zu können. Bei der Suche nach der Ursache einer Erkrankung muss außerdem auch erst einmal eine Virushepatitis in Betracht gezogen und danach untersucht werden. Solange wir keine weitreichenden Screening-Untersuchungen durchführen, werden wir die Hepatitis nicht völlig ausradieren können.

Wie wichtig sind eine frühe Diagnose und ein schneller Beginn der Therapie?
„Die frühe Diagnose ist ganz entscheidend: Hierdurch können wir sowohl die Übertragung minimieren als auch mittels effektiver Therapien Patienten in einem Stadium der Erkrankung heilen, ohne dass weitere Symptome auftreten müssen. Es ist schon faszinierend, als Hepatologe erleben zu dürfen, dass eine Erkrankung, die erst 1989 identifiziert wurde, heute nahezu in allen Fällen heil-bar ist.“

Wo kann ich mich testen lassen, wenn ich nicht genau weiß, ob ich mit Hepatitis infiziert bin?
Jeder Arzt, der Blutuntersuchungen von Patienten durchführen kann, kann auch auf Hepatitis testen. In speziellen Fällen sind hierfür auch Experten in Praxen und Krankenhäusern verfügbar. Wir haben bereits mehrfach im Rahmen unseres sogenannten Qualitätszirkels Hepatologie im Münsterland Screening-Projekte durchgeführt und hoffen, solche Projekte auch zukünftig flächendeckend anbieten zu können.

Hintergrundinformationen und Kontakt

Deutsche Leberstiftung
deutsche-leberstiftung.de

Leberambulanz der Klinik für Transplantationsmedizin am UKM
T (0) 251 83-47679

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